Sommerreise 1998
Mit der ALMARINA von Palma de Mallorca nach Sevilla und Zurück
Ein Reisebericht von Heidi Schlüter
Mannschaft: Heidi und Dieter Schlüter

 

13.5.98 (Mi)

Späte Ankunft in Palma. An der Pier begrüßt uns der kleine schwarze Kater, der hier wild lebt, aber von Bootsnachbarn gefüttert wird. Die Almarina sieht sauber aus -  ein kleiner Begrüßungsdrink mit Blick auf die Kathedrale - unser Mittelmeerleben beginnt! Dieter kontrolliert die Technik, ich packe noch aus, die Betten hatte ich noch im März frisch bezogen, so daß wir bald in die Betten fallen können. Schön, wieder an Bord zu sein.

14.5.98 (Do)

Die ganze Nacht hat es geregnet, auch morgens ist der Himmel grau und es regnet weiter. Die Inselbewohner freuen sich natürlich über jeden Tropfen, denn Wasser ist ein knappes Gut. Den Gang zum Markt verschiebe ich, er ist nicht nur "schnöder Einkauf", sondern genüßliches Ritual und einfach schöner ohne Regenschirm. Mittags marschieren wir gut beschirmt zur Bar Mollet, einem Restaurant am Eingang des Clubgeländes, wo Werftarbeiter, Geschäftsleute und solche wie wir ein preiswertes, sehr gutes Mittagessen genießen. Für 1000 Pts ca. DM 12,- gibt es 1 Flasche Wein, 1 Flasche Wasser, eine große Vorspeise, z.B. Paella, 1 Hauptgericht, 1 Nachtisch. Espresso geht extra. Der Speiseplan ändert sich täglich und deckt die ganze Palette mallorquinischer Köstlichkeiten ab. Der Weg zurück zum Boot dient der Verdauung, die anschließende Siesta gehört zu unserem Bootsleben. Es regnet weiter - den Abend verbringen wir vorm Fernseher. Kartoffelbrei von Maggi und "albondigas" - spanische Fleischbällchen - aus der Dose sind ein schnelles leichtes Abendessen. Solche Vorräte finden sich immer an Bord.

15.5.98 (Fr)

Early Morning Tea und Kekse an Bord.Der Himmel ist trist grau, aber es regnet nicht. Gemeinsam gehen wir zum Club, trinken noch einen café con leche, und zahlen unsere Clubbeiträge. Ich gehe zum Markt, Dieter hat noch einige Dinge im Club zu regeln und wird nachkommen. Auf dem Markt habe ich schon meine Stammbuden, ich werde inzwischen wiedererkannt und beim Probieren von Schinken und Käse in großzügigen Portionen werden Neuigkeiten ausgetauscht. Hier muß man die "Katze nicht im Sack" kaufen. Dieter kennt meine Einkaufsrunde und findet mich auch immer. An "unserer" Bar ( es gibt an jeder Ecke eine ) trinken wir einen starken, heißen café sólo- der spanische Espresso im Glas- bevor wir mit unserem Einkaufswagen zurück zur Almarina marschieren. Am Nachmittag baut Dieter die Bilgenpumpe aus, sie sitzt wieder fest, läßt sich leider nicht mehr reparieren, d.h. Samstagmorgen eine neue kaufen. Wetter: trist grau, die Sonne kann man nur ahnen.

16.5.98 (Sa)

Grauer Himmel, Milchkaffee und Croissants im Club, Preisvergleiche für Bilgenpumpen machen, eine neue kaufen. Mittagessen an Bord - am Wochenende gibt es nichts in der Bar Mollet. Siesta, Pumpeneinbau. Wir sind zu faul für einen Stadtspaziergang und verbringen den Abend an Bord.

17.5.98 (So)

Sonnenschein!!!

Das Wetter sieht gut aus, wenig Wind, Reisewetter! Dieter wechselt sicherheitshalber noch die Kraftstoffilter, ich mache das Boot innen reiseklar, sollten wir noch zuviel Seegang haben, können wir zurück oder uns in einer geschützten Bucht verkriechen. Lange haben wir die Reise nach Sevilla geplant, heute soll sie beginnen.

Draußen steht noch eine alte Dünung, ist aber gut zu ertragen. Wir nehmen Kurs auf Ibiza. Eine herrliche Fahrt, mehrmals sehen wir parallel zum Schiff Delphine, und dann kommt eine große Delphinschule mit mindestens dreißig dieser schönen Tiere direkt zu uns, einige schwimmen ohne sichtbare Flossenbewegungen auf der Bugwelle mit, andere tauchen unter der Almarina durch. Es macht immer wieder Freude, wenn die Delphine uns begrüßen. Wir fühlen uns dann auf dem Meer von der Natur akzeptiert. Drei große Schildkröten kreuzen unseren Weg - eine dient einer Möwe als Transportmittel. Der erste Reisetag zeigt sich von seiner besten Seite, wir genießen die glatte See, die Sonne, unser Leben. Sofern es Wind und Wellen erlauben, wollen wir relativ zügig nach Sevilla reisen, um nicht in die unerträgliche Sommerhitze Andalusiens zu geraten. Ibiza laufen wir nicht an, unser Übernachtungsplatz ist eine schöne Bucht an der Isla Espalmador - eine kleine Insel zwischen Ibiza und Formentera. Auch schon zu dieser Jahreszeit herrscht reger Jachtbetrieb, im Sommer wird es hier bestimmt sehr lebhaft zugehen. Idyllische Buchten und Plätze bleiben leider nie geheim. Jeder Geheimtip wird irgendwann Allgemeingut! Unsere Gedanken gehen zurück in den Januar 1985, als wir in meinen Weihnachtsferien die Almarina von Vilamoura / Portugal nach Palma gefahren haben. Dreizehn Jahre sind das her, und unser Schiffsleben ist seither immer intensiver geworden. Die Reise nach Sevilla ist ja in gewisser Weise eine "Reise zurück", und wir werden bestimmt des öfteren an vergangene Zeiten erinnert werden.

Anker ab - Ankommensdrink in der Abendsonne - wunderbar. Spaghetti und Tomatensauce mit geriebenem Käse verwöhnt unsere Schiffermägen. Einige Jachten sind noch in die umliegenden Häfen gefahren, friedliche Stille durchflutet die Bucht, die Sonne geht hinter den Inselhügeln unter und hinterläßt rote Himmelsspuren. Ein schöner Tag geht zu Ende.

18.5.98 (Mo)

6h30  Der Skipper erhebt sich, macht den Early Morning Tea. Die Almarina ist klatschnaß, was gutes Wetter verheißt. Dieter putzt Fenster und ledert die Bank ab, ich mache das Schiff innen klar. Anker auf - auf in einen neuen Tag. Einige Fischerboote sind draußen - auch das deutet auf gutes Wetter; ruhig und majestätisch zieht die Almarina ihren Weg durchs westliche Mittelmeer. Kleine aufregende Abwechslung: Eine große Meeresschildkröte kommt zum Fototermin. Ihr rechtes Vorderbein ist verstümmelt. Eine Zeitlang fahren wir durch dichten Seenebel, Selbststeueranlage, Radar und Radaralarm laufen. Zum Mittagessen werde ich ein altes Brot zu leckerem Knofelbrot verwandeln und Rühreier dazu machen. 15h30 überqueren wir den Nullmeridian, im Dunst sehen wir die Bausünden der 50er und heutigen Jahre. Benidorm und Co lassen grüßen. Die Reise ist so problemlos und schön, daß wir am  Cabo de la Nao Kurs auf Alicante nehmen. 1984 haben wir Silvester in Alicante gefeiert, konnten damals mitten im Hafen ankern, vor drei Jahren ist eine riesige , sehr schicke und auch teure Marina gebaut worden. 985 Liegeplätze für Boote bis zu 50 Meter Länge sind entstanden, Ankerplätze sind weggefallen. Restaurants, Cafés, Boutiquen, Bootsshops, großzügige Plätze bieten alles, was das Herz begehrt. DM 90,- müssen wir für unser Fünf-Sterne-Hotel Almarina bezahlen, Wasser und Stromverbrauch sind inbegriffen. Am Abend bummeln wir durch die Stadt und essen auf einem kleinen Platz hinter dem Rathaus. Sobald die Laternen angehen, verwandelt sich der Platz auf wundersame Weise, die abblätternden Fassaden der Häuser tauchen in schmeichelndes Licht.

19.5.98 (Die) Alicante

Café con leche und Tostados in der Cafeteria sind unser Frühstück, dann wollen wir weiter. Das Meer ist heute bewegter, da wir quer zur Welle fahren, rollen  wir, woran sich unsere Mägen erst gewöhnen müssen. Nach 5 Stunden "verkriechen" wir uns in den Hafen Tomás Mestre am Mar Menor, einem Binnenmeer. Um 14 Uhr öffnet die Drehbrücke, still ist es im Hafen, wenig Betrieb zur Mittagszeit. Nach einigem Hin und Her zwischen zwei Männern - Hafenmeistern?? bekommen wir einen Platz zugewiesen. Der Marinero hat keine Ahnung. Bei auflandigem Wind brauchen wir erst die Mooringleine. Der Ahnungslose scheint nicht einmal zu wissen was das ist oder wo sie liegt. Behende bindet er uns achtern fest, und wir driften vorne rum. Es dauert eine kleine Ewigkeit und kostet uns einen Kratzer am Bug bevor wir festliegen. Dieter mußte von Bord springen, weil dieser "Hafenheld" einfach nicht kapierte, was er tun sollte. Solche Typen möchte man in der Pfeife rauchen! Es ist 15 Uhr geworden, für Spanien noch eine gute Zeit essen zu gehen. Die Liegegebühren sind human, DM 30,- kostet die Nacht. Hier können wir einige Arbeiten an der Almarina machen , evtl. den Binnensee erkunden und den Wind draußen abwarten.

20.5.98 (Mi)

Regen, grauer Himmel, wir liegen in einem Tief - also Zwangsaufenthalt - Lesen,  Faulenzen, Rätsellösen, Fernsehen und auch Bootsarbeiten werden uns die Zeit verkürzen. Fürs leibliche Wohl gibt es einige Restaurants, Bootszubehör gibt es auch und sollte es nötig sein, ist ein Supermarkt in Reichweite.

21.5.98 (Do)

Noch ein Hafentag. Heute ist Almarina Kosmetiktag. Dieter steigt ins Beiboot und entrostet die Auspuffrohre - ich halte ihn an der Leine. Später lassen wir noch einen Taucher kommen, Dieter hatte unterwegs das Gefühl, eine Angelschnur oder ein Tau in den Propeller bekommen zu haben und war sich nach einer Spiegelaktion auch ziemlich sicher , doch der Taucher konnte nichts finden. Wahrscheinlich hat Dieter irgendwas Schwimmendes im Hafenbecken erspäht. 7000 Peseten umsonst bzw. für unsere Sicherheit. Der Himmel ist endlich wieder blau, erstmals können wir das Ufer des Mar Menor zum Festland hin sehen. Das Binnenmeer ist eine 175 qkm große Salzwasserlagune mit einigen Inseln und kleinen Häfen an den Ufern. Fisch-, Vogel- und Surferparadies, vom Mittelmeer durch einen Kanal zu erreichen. Die von Mallorca und anderen größeren Häfen gewohnte Professionalität der Hafenleute fehlt hier, sie sind hilfsbereit und lieb, von der Seefahrt haben sie wenig Ahnung. Dies wird uns von einigen Bootsinhabern, die hier schon länger liegen, bestätigt. 18h30 letzter Anstrich, um 19h30 erstrahlen die Auspuffrohre in matt schwarzem Glanz. Sonnenschein, Himmel leicht bewölkt, leichter Wind aus Nordost.          

22.5.98 (Fr)

Mit der ersten Brückenöffnung um 9 Uhr setzen wir unsere Reise fort. Leider verschwindet die Sonne bald hinter dichten grauen Wolken und der Wind wird kühl. Gut, fast winterlich vermummt können wir es auf dem Achterdeck aushalten. Die Costa Blanca ist nicht sehr schön. Bebauung ohne landestypischen Charakter prägt das Bild. Allerdings hat der Tourismus auch Reichtum in diese Landstriche gebracht.

Garrucha ist heute unser Ziel, ein Hafen für Individualisten und Fischerhafen.Wir tanken 1000 Liter Diesel und bekommen einen Platz zugewiesen. Nach einem Café con leche im Hafenrestaurant spazieren wir in der Abendsonne zum Fischerhafen, wo wir mitten in die Fischauktion geraten.In unseren Ohren klingt es wie eine Litanei. Ruck zuck werden die Fischkästen an langen Eisenhaken weggezogen. Schalentiere von Garnelen- bis Langostinogröße, Doraden, Tintenfische, Schwertfische, Sardinen und Sardellen werden angeboten. Immer wieder kommen Fischerboote herein, aber sehr groß ist der Fang bei keinem. Ein harter, magerer Broterwerb. Wir bummeln weiter durch den verschlafenen Ort. Plötzlich kommt - wie ein Spuk- ein junger, sehr dunkler Mann auf uns zu, ruft "attendez madame "- springt über eine Mauer in ein Vorgärtchen- kommt zurück mit einer blauen Blume, überreicht sie mir und entschwindet. Unwillkürlich fühlen wir, ob etwas fehlt. Nein,- nur eine blaue Blume, ganz genau passend zu meiner Jeansbluse ist nun in unserem Besitz. An Bord habe ich sie gleich gepreßt, ein schönes Erlebnis. Das Mißtrauen ärgert, aber wir haben auch schon negative Erfahrungen mit Blumen gemacht.

23.5.98 (Sa)

7h30 ist Dieter putzmunter, macht Tee und bereitet die Abreise vor. Es ist kühl, die Sonne scheint, verschwindet aber bald wieder hinter den Wolken. Die Küste zwischen Garrucha und Almerimar heißt Costa Calida - heiße Küste. Wir spüren davon nichts, sind wieder vermummt. Schöne Berglandschaft, kleine weiße Dörfer verwöhnen das Auge, ab und an sichten wir eine Schwanzflosse. In Almerimar, einer großen Marina westlich von Almeria machen wir fest. Hier überwintern viele Langzeitfahrer mit schmalerem Portemonnaie, denn die Preise sind sehr zivil. Wir zahlen DM 10,- , der Mai zählt hier noch zur Winterzeit. Neben uns liegen sympathische Engländer mit einer 35 Jahre alten Motorboot-Lady. Sie haben daheim die Zelte abgebrochen, leben im Ruhestand und sind seit September vergangenen Jahres auf Reisen.

24.5.98 (So)

Um 11 Uhr verabschieden wir  uns von unseren Nachbarn, weiter geht es in Richtung Malaga. Marina del Este könnte heute unser Ziel sein. Taeubers senior haben im Nachbarort La Herradura ihr Herbst und Winterdomizil und uns Infomaterial über die Marina mitgebracht. Schon bald hinter Almerimar wird es ungemütlich, wir schaukeln kräftig und bekommen viel Salzwasser übers Schiff. Umkehren, oder den nächsten Hafen Adra anlaufen. Wir entscheiden uns für letzeres und finden auch einen Platz an der Pier. Die Stege im Club Nautico sind für uns zu klein. Wir gehen längsseits, Strom und Wasser gibt es an der Pier, da wird die Almarina gleich vom Salz befreit. Wir sehen den kurzen Reisetag positiv, denn so können wir im Fernsehen das Formel 1 Rennen Großer Preis von Monaco verfolgen. Später machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, erkunden Einkaufsmöglichkeiten für den Montag. Der Wind ist im Laufe des Nachmittags noch stärker geworden und peitscht hohe Wellen in den Hafen. Wir sind froh, nicht weiter gefahren zu sein.

25.5.98 (Mo)

Die Nacht war ganz still, das Meer hat sich beruhigt, wir wagen uns weiter. Vier Stunden sind es bis zur Marina del Este. Trotz ziemlicher Dünung läßt es sich aushalten. Der Hafen sehr schön in die Landschaft integriert, nicht zu groß, gut geschützt. Sollte das Wetter nicht besser werden, können wir hier in schöner Umgebung abwarten. Drei Restaurants, ein paar Boutiquen, zwei Galerien und einen kleinen Supermarkt gibt es auch. Tauchen und segeln kann man ebenfalls erlernen. Natürlich gehen wir erst einmal essen und nach der Siesta wird die Almarina vom Salze befreit, sie hat heute besonders viel Salzwasser abbekommen.

 

26.5.98 (Die) Marina del Este

Man merkt, daß die Saison noch nicht begonnen hat, still und verträumt ist dieser kleine künstliche Hafen. Die Apartmenthäuser sind noch im Winterschlaf, im Supermarkt gibt es nicht allzuviel. Auch hier gelten noch Winterpreise, knapp DM 20,- zahlen wir hier pro Nacht. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Liegegebühren sind. Aber der Bootstourismus boomt, auch das Chartergeschäft ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. 1984/85 gab es normale Häfen, manchmal mit Clubs. In den letzten Jahren sind viele Marinas entstanden, häufig mit europäischen Mitteln finanziert. Da sehen wir doch wenigstens , wo unsere Gelder bleiben!! Geschützte Buchten, wie wir sie von den Balearen kennen sind rar und die Marinas daher auch wichtig.

27.5.98 (Mi)

Eigentlich wollten wir heute morgen ganz früh los, aber die Nacht war sehr unruhig, der Wind hat keine Ruhepause eingelegt. Ab 2 Uhr war irgendwas los im Hafen, ein Fischerboot kam herein, im Funk hörten wir Stimmengewirr, durchs Fernglas beobachteten wir Menschen eilig hin und her laufen. Was los war können wir nicht enträtseln. Also wieder zurück ins Bett. Dieter ist dann noch mal auf die Pier gegangen und hat entschieden, daß wir bleiben.

Um 9h30 wachen wir wieder auf, es sieht ruhiger aus, aber der Gedanke, von hier aus mit einem Mietwagen nach Granada zu fahren, reizt und setzt sich fest. Granada, Alhambra und Sierra Nevada sind die Zauberworte. Im Hafenbüro lassen wir uns den Wetterbericht geben, die Windvorhersagen bestätigen unseren Entschluß und wir bestellen uns einen kleinen Mietwagen. Er wird um 12 Uhr gebracht, ein paar Sachen für die Nacht sind schnell gepackt. Tschüß Almarina!

Die alte Bergstraße nach Granada ist zwar schmal, aber sie führt durch wildromantische Landschaft. Wenig Verkehr ermöglicht auch dem Fahrer ein paar schöne Ausblicke. In einem verträumten Bergdorf stärken wir uns bei einem ausgezeichneten Mittagessen. Das Land muß fruchtbar sein, denn trotz der Trockenheit wird Getreide angebaut. Die Sonne strahlt vom Himmel, aber auch hier weht der Wind kräftig. Wir sind mit unserer Entscheidung zufrieden, uns drängt nichts - und ein Besuch der Alhambra ist natürlich sehr verlockend. Heute können wir die Burg nicht mehr besichtigen, alle Tickets sind verkauft, wir verstehen das zwar im Moment nicht, es ist 17 Uhr und taghell. Um 8h30 öffnen die Kassen. Na, hoffentlich wird es nicht ein zu großes Gerangel.

Auf den Parkplätzen tummeln sich noch jede Menge Leute, Zigeunerinnen bieten Rosmarinzweige an und wollen natürlich wie die Nelkenfrauen in Palma an unser Portemonnaie. Da hilft nur heftiges Kopfschütteln, ein klares, schroffes "Nein!", sie sind zumindest nicht aufdringlich und weichen. Schuhputzer bieten wortreich ihre Dienste an. Die arabischen, maurischen Einflüsse sind hier zu spüren, obwohl die Mauren ihre letzte Bastion 1492 kampflos an die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon übergeben haben.

Also, erst einmal auf Quartiersuche. Im Hotel Guadeloupe - drei Sterne - ist eine  "Suite", zwei riesige Zimmer mit Bad frei , aber was sollen wir mit soviel Raum für eine Nacht, knapp DM 2oo,- wäre ja gar nicht mal so teuer - aber wir versuchen es erst noch woanders. Im kleineren Hotel nebenan , ohne Stern, bekommen wir ein Zimmer mit Bad und WC, einfach, sauber und irgendwie witzig - eine Rolle Klopapier bekommen wir an der Rezeption. Es gibt eine Busverbindung in die Stadt- der Alhambra Bus bringt uns mitten ins Zentrum. Kultur ist angesagt," los Reyes Catolicos" liegen hier begraben , die schönste Renaissance - Kathedrale der Welt ist hier zu besichtigen. Sie ist gewaltig. Wir bummeln durch die Altstadt, verspeisen ein paar Tapas in einem Straßencafé und fahren wieder mit dem Bus hinauf. Mit Schließung der Alhambra kehrt auch Ruhe ein. An der Bar genehmigen wir uns noch einen Schlummertrunk. In der Nacht wird´s kalt, unsere kuscheligen Winterdecken täten jetzt gut, aber der Pullover tut´s auch.

28.5.98 (Do)

Um 7h45 verwirren wir unseren Wirt, aber er macht uns einen café con leche und die Croissants werden inzwischen vom Bäcker gebracht. Es ist regnerisch und kühle Luft kommt aus der Sierra Nevada, die schneebedeckt grüßt. Am Kartenschalter ringelt sich schon eine Schlange kulturbeflissener Menschen, einige ruhen noch auf Parkbänken - das ist der Nachteil Individualreisender, sie müssen sich um alles selber kümmern. Um den Besucherstrom etwas zu kontrollieren, bekommt man für den Palast einen Termin, Generalife - Sommergarten und Alcazaba - Burg  kann man beliebig "erwandeln". Um 10h30 können wir in den Palast und haben nun genügend Zeit, den Palast Karls V zu besuchen und durchs kleine Museum zu schlendern. In der Burg ist Treppensteigen angesagt, eine wunderbare Aussicht über den ganzen Alhambra Komplex , die Sierra  und Granada belohnt uns. Im Palast bewährt sich der 30 Minutentakt, trotz mehrerer Reisegruppen drängelt´s sich nicht. Die Palasträume und Höfe zeugen von orientalischer Lebenslust und -freude und großem Sinn für Kunst. Stalaktitendecken, große geschnitzte Zedernholzdecken, filigrane Säulen - der Löwenhof ist von vielen Bildern bekannt - Brunnen, Wasserspiele, Froschgequake in den Gärten lassen die Hektik der Großstadt vergessen. Schön, daß Boabdil, der letzte Kalif Granadas, die Alhambra nicht hat zerstören lassen und es auf sich genommen hat, in die Kampfgeschichte als Feigling eingegangen zu sein bzw. als Bewahrer eines großen Kulturgutes. In den Gärten duften die Blumen, der Nieselregen stört, aber das Wetter können wir leider nicht ändern.

Unsere Rückreise führt uns durch hübsche, verträumte Bergdörfer, aber nicht in den ewigen Schnee der Sierra. In Trevelez, dem höchsten Dorf der Sierra ist die Welt zu Ende. Hier gibt es den besten Bergschinken. Spanischer Serrano Schinken wird luftgetrocknet, nicht geräuchert. Stammt er von den schwarzen Schweinen ist er eine teure , aber toll schmeckende Köstlichkeit, Serrano Pata Negra steht dann auf der Speisekarte. Auf der anderen Dorfseite  geht´s auf teilweise atemberaubenden Strecken hinunter zum Meer. Im Supermarkt in Motril ergänzen wir unsere Vorräte, der Mietwagen muß genutzt werden. Schaumkronen auf den Wellen zeigen, daß das Meer noch sehr bewegt ist , der Wind hat noch nicht nachgelassen.

29.5.98 (Fr) Marina del Este

Wir fühlen uns hier schon ganz heimisch! Bis 12 Uhr haben wir noch den Mietwagen , also geht´s nach La Herradura, Taeubers Winterdomizil wenigstens von außen zu betrachten. Hübsch gelegen mit traumhaften Blick über die Bucht. Der Ort ist noch nicht vom Tourismus zerfressen, der Kiesstrand mag dazu beitragen haben und außerdem brauchen auch die Individualisten ein paar Flecken Erde!

Der "ewige Schnee" der Sierra Nevada spukt in unseren Köpfen, der Seegang hat nicht nachgelassen, eine ruppige Weiterfahrt wollen wir nicht. So bestellen wir für den nächsten Morgen 9Uhr wieder einen Wagen und freuen uns auf eine ungewöhnliche Fahrt, sehen uns im Pulverschnee stapfen, vom Meer in den Schnee, das ist´s!! Kabinenbahnen gehen bis hinauf zum Pic Veleta dem zweithöchsten Berg des spanischen Festlandes. Zum Mulhacen, dem höchsten Berg muß man klettern.

30.5.98 (Sa)

Die Andalusier sind pünktliche Leute, um 9 Uhr übernehmen wir das Auto, wir sind mit warmen Sachen ausgerüstet. In der Nacht hat es fürchterlich geregnet, droben wird Schnee gefallen sein???!

Wir müssen wieder bis nach Granada fahren, von dort geht´s in die Bergregion, höher und höher hinauf, die Straßen sind gut ausgebaut, klar , hier finden auch Weltcup Rennen statt. Unsere Gesichter werden ganz schön lang, als wir zur Winterstation kommen: kaum Schnee, Hotelbetrieb gleich null, Lifte alle außer Betrieb. Daß hier durchaus viel Schnee fallen kann, ist an den Schneestäben seitlich der Straße zu sehen, aber Schnee von Oktober bis weit in den Juni muß ein Ammenmärchen sein oder eine Touristenfalle?? Wir grinsen uns an; trüb und kalt ist´s hier oben, aber die Straße führt noch weiter in die Höhe, im Auto ist es warm. Verharrschte Schneefelder zieren jetzt den Straßenrand, ein paar Gestalten, die sich beim Näherkommen als fröhliche Japaner entpuppen, bewegen sich bergan. Auf dem Hochplateau - oh Wunder - ein Parkplatz mit ein paar Autos. Bergwanderer packen ihre Utensilien aus und marschieren mit Seil, Haken und Pickel los,- ein paar Touristen wie wir stellen sich für ein Foto in den Schnee, und wir bitten sie , ein Foto von uns zu machen. Sogar ein Imbißwagen öffnet. Ein heißer Kaffee wärmt uns von innen während der Wind jetzt eiskalt um die Ohren weht. Unser beider Phantasien - strahlender Sonnenschein, Jausenstation, fröhliche Skiläufer - wir kartenschreibend in kalten einsamen Wolkennebeln davongetragen. Trotzdem sind wir guter Dinge und freuen uns, diesen Ausflug gemacht zu haben. Bei der Talfahrt haben wir immer wieder Blicke auf die Alhambra. Schön! Die Höhlenstadt Guadix soll unser nächstes Ziel sein. 55 Km sind´s bis dorthin auf einer Nebenstraße und ein Teil davon ist als Weg gekennzeichnet. Da wir Landschaft wollen, riskieren wir die 6 Km bis zum letzten Ort, umkehren wäre nicht zu schlimm. Die Fahrt am Stausee entlang und durch fruchtbare Felder ist schon lohnend. Im letzten Ort Quentar fragen wir, ob man nach La Peza mit dem Auto fahren könne. Drei freundliche fast zahnlose Dorfbewohner bejahen unsere Frage. Die Andalusier sprechen sehr schnell und verschlucken die letzten Silben, aus zahnlosen Mäulern wird das Verstehen zum Rätselraten aber mit ein wenig Kombination finden wir sogar den richtigen Weg und sind sehr erstaunt, auf einer gut ausgebauten Straße zu fahren. Also: nicht jeder Feldweg ist auch einer! Rotes Tuffgestein prägt nun die Landschaft und schon lange vor Guadix ragen Schornsteine aus den Felsen unter denen wir Höhlenhäuser erkennen. Die Fassaden sind oft weiß gekalkt, dahinter verbergen sich große und kleine Wohnungen, im Sommer kühl, im Winter warm. Unsere Mägen knurren - Rast in einem Dorfgasthof. Eine Speisekarte gibt´s nicht, aber etwas zu essen. Der Wirt bringt uns Salat d. h. Tomaten, Zwiebeln, Schinken, Wurst und Oliven als "aperitivo" , Hühnersuppe mit Croutons, Schweinekotelett vom Holzkohlengrill, gebratene Kartoffeln, Hauswein und Wasser , auf den Nachtisch verzichten wir. Ein café sólo macht munter, die Reise kann weitergehen. Guadix ist dann ein wenig enttäuschend , eine Wohnung ist als Museum ausgewiesen, früher sollen die Bewohner gegen einen kleinen Obolus gern ihre Türen geöffnet haben. Da kam die Menschheit aber auch noch nicht in großen Bussen angereist. Schnell machen wir uns vor den Bussen wieder auf den Weg, nun am Ostrand der Sierra entlang, Regen, Wind und Kühle und ein bißchen Sonne begleiten uns.

Fazit dieser wetterbedingten Wartetage: Wir haben viel gesehen, die Sierra Nevada überquert und einmal umrundet, Granada und die Alhambra erkundet und auch sonst viel Spaß gehabt.

31.5.98 (So)

Ein schöner Tag - ein Reisetag. Die See ist glatt, Sonnenschein und leichter kühler Wind. Um 9 Uhr sind wir auf dem Meer, Malaga, Marbella grüßen. Wir fahren bis zum Puerto de la Duquesa, 20 Seemeilen vor Gibraltar. Der Hafen ist klein und fein, voll in englischer Hand. Beim Chinesen speisen wir gut, mit Jacke können wir sogar draußen sitzen.

1.6.98 (Mo)

Weiter geht´s nach Gibraltar. Den Felsen und Afrika haben wir schon gestern lange sehen können. Am 25.12.1984 sind wir durch die Meerenge bei strahlendem Sonnenschein und spiegelglatter See nach einer stürmischen Nacht gefahren ohne in den Hafen einzulaufen. Heute wollen wir tanken und einen Tag bleiben. Diesel ist um die Hälfte billiger als in Spanien und ein wenig britisches Exotentum wollen wir im tiefsten Süden Europas auch spüren. Ein Rest vom Empire. Reger Funkverkehr ist zu hören , die Großschiffahrt muß sich am Felsen melden. Anekdote oder Wahrheit? : Ein amerikanischer Kreuzer soll sich beim Passieren der Meerenge nicht identifiziert haben und auf die Frage "welches Schiff?" "Welcher Felsen?" zurücksignalisiert haben. Welche Respektlosigkeit! Den Spaniern ist der Felsen, den sie El Penon nennen, zwar ein Dorn im Auge, aber sie leisten sich ja auch noch zwei exterritoriale Besitzungen in Nordafrika, Ceuta und Melilla. Die Einfahrt in den Hafen ist richtig spannend, viel Schiffsverkehr erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit. Wir suchen die Tankstelle für Jachten und müssen dort auch einklarieren und zum Zoll. 1000 Liter Diesel verschwinden im Bauch der Almarina. In der Marina Bay , direkt an der Start- und Landebahn, bekommen wir einen schönen Liegeplatz längsseits. Auch eine Besonderheit Gibraltars: Wenn ein Flugzeug landet bzw. startet, schaltet die Straßenampel auf rot, ein Bobby paßt auf. Eigenartigerweise empfinden wir den Fluglärm nicht als störend, das Schauspiel ist zu faszinierend und nachts herrscht Ruhe. Gibraltar ist britisch, touristisch und multikulturell. Das Straßenbild zeigt´s. Alte Männer in Kaftan, Käppi und gelben Schlurfschuhen - sie sehen schon nachtfein aus - orthodoxe Juden mit Bärten und schwarzen Hüten, moslemische Frauen im Tschador oder auch nur mit Kopftuch, rothaarige Iren, weißhäutige Briten, Spanier und ihre vermischten Nachfahren, Deutsche, Holländer, Schweden - ein kleiner Felsen , ein multikulurelles Völkergemisch. Amtssprache ist Englisch, Alltagssprache Spanisch oder eher ein Gemisch aus beiden. Uns fallen viele junge Briten auf, vielleicht gehört es ja zur staatsbürgerlichen Erziehung, daß junge Briten die letzte europäische Bastion des Empires besuchen. Auf den Felsen können wir nicht mehr, 17h15 stellt die Seilbahn ihre Arbeit ein. Wir verschieben die Besichtigung auf die Rückreise. Da Gibraltar heute fast nur vom Tourismus lebt, gibt es viele Souvenirläden, zollfreier Einkauf ist möglich, hübsch sind die aus England bekannten Schilder über Pubs und Restaurants, Fish and Chips Läden laden zu dieser echt englischen Köstlichkeit ein! Britische Abfalleimer, Briefkästen und Telefonzellen, Doppeldeckerbusse bringen britisches Flair in die südliche Region. Die Fahrtrichtung ist aber kontinental.

Die Windvorhersagen sind nicht besonders , morgen noch 3-4 Bft., im Laufe des Tages zunehmend 5-6Bft. Ab Gibraltar müssen wir die Gezeiten und Strömungen beachten. Mit ablaufendem Wasser ist es am günstigsten, durch die Straße zu kommen.

2.6.98 (Die)

Die Nacht war ruhig - also Leinen los. Zunächst ist die Fahrt sehr schön, Afrika ist zum  Greifen nah, viel Großschiffahrt und viele Fischerboote sind unterwegs. Wir kommen in das Thunfischfanggebiet, wo viele Netze liegen und sorgfältigste Navigation gefordert ist. Seegang und Wind werden immer stärker. Für Schiff und Mannschaft besteht zwar keinerlei Gefahr, aber ungemütlich wird´s und viele Salzwasserduschen behindern die Sicht. Wir sind kurz vor dem Kap Trafalgar -  1805 hat Nelson hier die spanisch-französische Flotte geschlagen und selbst den Tod gefunden. Bis Cadiz sind´s noch gute 5 Stunden, aber so ungemütlich mögen wir´s nicht und entscheiden uns für eine Pause in Barbate. Der Hafen ist neu, das Hafengebäude ist noch im Bau, Büro, sanitäre Anlagen und ein Restaurant sind in Containern untergebracht. Unseren Ansprüchen genügt es. Wichtiger ist guter Schutz gegen Wind und Wellen. Was uns bislang auf dieser Reise fehlt: ein paar Tage konstantes Bootsreisewetter, etwas mehr Wärme, ein konstantes Azorenhoch wäre toll, oder sind stabile Wetterlagen Rarität geworden? Aber letztendlich nähern wir uns unserem Ziel - Sevilla - auch in kleinen Etappen. Wir denken oft an unsere dreiwöchige Winterreise von Vilamoura/Portugal nach Palma, 1984. Zwei Stürme hatten wir damals zu überstehen und das im Dezember. Wir konnten längere Strecken fahren und waren auch mehrmals rund um die Uhr unterwegs. Meine Schulferien bestimmten zu der Zeit die Reiselänge. Im kleinen Restaurant vertilgen wir köstlichen gegrillten Thunfisch mit Salat und nach der Siesta wird die Almarina mal wieder vom Salz befreit. Der Wind bläst fröhlich weiter und legt sogar noch zu, wir werden wohl wieder Wartetage einlegen. Wir haben die Reise vor zwei Jahren geplant und es ist für uns auch wichtig, sie zu realisieren. Sevilla kann man natürlich billiger, einfacher und schneller erreichen, die Reise auf eigenem Kiel ist mehr Abenteuer und erfordert auch eine Menge Eigenleistung an Planung, Organisation und Navigation. Und wenn wir im Hafen festliegen, ein Foto von unserer Almarina gemacht haben, sind wir stolz und glücklich, da kann´s noch so ruppig vorher zugegangen sein.

3.6.98 (Mi) Barbate

Die Nacht war ruhig, aber ein Blick über die Hafenmauer zeigt ein total aufgewühltes Meer , riesige Wellen brechen sich an den Steinen. Mal wieder ein Ruhetag für "Kosmetik" an Mensch und Schiff, schließlich muß das Mittagessen verdient werden. Nach den Bordarbeiten spazieren wir zum Strand, das Wasser ist immer noch sehr erfrischend! Wann wird´s Sommer werden?? Heute gibt´s gegrillte Zahnbrasse mit Salat. Fisch ist auch hier an der Quelle recht teuer, aber hoffentlich frisch. Inzwischen haben wir erfahren, daß 90% des Thunfischfangs von den Japanern für gutes Geld gekauft werden. Zwei Schiffe mit japanischer Besatzung liegen auch im Hafen. Japaner futtern den Thunfisch ja meist roh , daß er einen so langen Weg hinter sich hat, wußten wir bei unserem Japanbesuch 1992 nicht. Die enormen Konsumbedürfnisse der Menschheit verursachen doch erhebliche Belastungen fürs ökologische Gleichgewicht der Natur. Ich frage hier zwar immer auf dem Markt, ob es einheimische Produkte sind, was natürlich bejaht wird, manchmal ziemlich entrüstet, aber stimmt´s auch? Hat das Schweinefilet oder die Hühnerbrust nicht doch schon etliche Flugstunden oder Straßenkilometer hinter sich? Gibt es so viele glückliche Eichelschweine wie Schinken angeboten werden. Aber das Gemüse wächst hier. Weite Teile der andalusischen Felder sind mit Plastikplanen bedeckt, unter denen Gemüse und Obst früh und geschützt gedeihen, und das auch am Straßenrand angeboten wird. Sehr anmutig wirkt die Plastiklandschaft allerdings nicht.

4.6.98 (Do)

Noch ein Liegetag in Barbate. Heute faulenzen wir, lesen, lösen Rätsel, und ein bißchen Spanisch lerne ich auch. Gegen 14 Uhr gehen wir zum Essen, nach der Siesta treffen wir einige Vorbereitungen für die Weiterreise . Der Atlantik ist Tidengewässer, die Gezeiten müssen mit eingeplant werden. Es heißt, daß man bei 5 Knoten Geschwindigkeit mit einer Tide Sevilla erreichen kann. Wir sind schneller, aber müssen die Ankunft am Guadalquivir richtig planen.

5.6.98 (Fr)

Heute wollten wir weiter, aber zweierlei hält uns wieder fest. Der Wind hat in der Nacht stark geblasen, und militärische Schießübungen würden unsere Reiseroute um fast 24 Seemeilen verlängern. Bei dem Seegang keine schöne Aussicht. Nun, was soll´s! Wir wandern in die Stadt, 25 Minuten trennen uns von kleinstädtischer Atmosphäre, ein Taxi bestellen wollten wir nicht, größere Einkäufe sind noch nicht nötig und laufen ist bekanntlich gesund. Im Fischerhafen atmen wir See- und Fischluft. Die Boote sind hereingekommen und werden gelöscht. Die Gesichter der Fischer sehen verwittert aus. Ein Teil des Lohnes wird wohl mit Naturalien abgegolten, denn wer von Bord geht, hat eine Plastiktüte mit Fisch und anderem Meeresgetier in der Hand. Streunende Katzen finden so manchen Leckerbissen. In einer Hafenbar trinken wir einen Kaffee und wandern weiter in den Ort. Barbate de Franco - so der ursprüngliche Name - ist kein Touristenzentrum. Der lange Sandstrand lockt nur Einheimische an, viele Häuser hätten dringend Farbe nötig, einige Straßenzüge sind total ärmlich, aber in einer kleinen Fußgängerzone zeigt sich südlicher Charme. Buntes Treiben auch in der Marktgegend, ambulante Händler - meist Zigeuner - bieten Kräuter und riesige Körbe mit Landschnecken an. Unsere Pause in einer Straßenbar wird belebt und gestört von einem älteren caballero.

6.6.98 (Sa)

Heute geht es weiter. Die Schießübungen sind übers Wochenende eingestellt. Wir wollten eine gemütliche Fahrt und haben abgewartet. Hinter den schützenden Bauwerken - Molen, Dämmen und Piers - sieht es meist ruhiger aus , als draußen auf dem Meer. Aber: Es dauert nicht lange und mein Magen rebelliert, alte Dünung, neue Wellen, ein magenfeindlicher Kurs treffen aufeinander, das mag mein Organismus überhaupt nicht. Flachlegen hilft eine Weile, ich verkrieche mich in die Sitzecke des Steuerhauses, Magen und Darm rumoren weiter, trotz horizontaler Lage - oh, nein, ich bin richtig krank.

Zurückhalten hat keinen Sinn, es muß Instinkt gewesen sein, daß ich den Papierkorb noch vor der Abreise geleert habe. Jetzt ist er willkommener Spucknapf. Mein Skipper kann sich solche Schwächen nicht leisten, mir aber ist so ziemlich alles egal, ich fühle mich sauelend. Auf den Boden legen, eins werden mit dem Schiff, aber natürlich meldet sich auch noch mein berühmter Seekrankheitsdurchfall - hinunter in die Achterkajüte aufs Klo, da kann ich,  wenn´s sein muß, gleich in die Badewanne spucken. Hab ich aber nicht, Dieter findet mich bleich und elend über der Kloschüssel, ist ganz bekümmert, daß er nicht helfen kann. Ich schaffe´s noch zu grinsen " ich weiß ja was es ist , mach dir keine Sorgen". Andernfalls wäre so ein Zustand schon bedrohlich. Meine Zuflucht ist der Schlafzimmerboden, mit meinem Deckbett und später auch noch mit Dieters geht es mir besser und ich schlafe sogar. Der Maschinenlärm wirkt beruhigend. Um 12 Uhr sind wir an der Mündung des Guadalquivir. Dieter weckt mich, das darf ich natürlich nicht verpassen. Wir fahren mit auflaufendem Wasser und schaffen die Strecke bis Sevilla mit einer Tide trotz einstündigem Ankeraufenthalts. Dieter muß die Filter wechseln, bei ruppiger See wird im Tank Schmutz hochgewirbelt, der im Filter festgehalten wird und irgendwann bekommen die Maschinen keinen Kraftstoff mehr.

Rechts und links des Guadalquivir ist die Landschaft recht eintönig. Das Donana Naturschutzgebiet grenzt an den Fluß, Sumpf- und Flußvögel sehen wir, Pferde und Milchvieh weiden, feurige Stiere sehen wir nicht. Die Umweltkatastrophe vor ein paar Wochen ist hier nicht zu bemerken. Bis zu unserem Ziel sind´s 55 Seemeilen, durch die Schleuse können wir frei fahren. Buganker im Fluß, 40 Meter Kette langsam auslaufen lassen, mit dem Heck an die Pier. Um 19h05 liegen wir fest im Club Nautico von Sevilla. Wir haben´s geschafft und freuen uns darüber sehr.

7. 6. - 17.6.98 Sevilla

Das Clubgelände liegt in einem großen, sehr gepflegten Park, mehrere Schwimmbecken laden zum Planschen, Schwimmen und Trainieren ein. Die Küche des Restaurants ist nicht überwältigend, aber man kann gut seinen Hunger mit kleinen Gerichten stillen. Nur wenige Boote liegen hier, der Club Nautico von Sevilla hat eine aktive Ruder- und Kanuabteilung und ist wohl mehr ein "Gesellschaftsclub", hat aber auch eine Pier für sehr große Jachten und für uns! Die Anlage ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wir bekommen für die Dauer unseres Aufenthaltes Ausweise, die auch vom Posten am Eingang kontrolliert werden.

Sevilla begeistert uns, bei Stadtrundgängen erleben wir eine fröhliche, leichte und architektonisch beeindruckende Stadt. Es ist zwar schon sehr viel wärmer als am Mittelmeer, aber die trockene Hitze läßt sich gut ertragen. Natürlich besuchen wir alle Sehenswürdigkeiten: die Kathedrale - nach der Vertreibung der Mauren sollte auf der niedergebrannten Moschee ein Gotteshaus entstehen, das größer und schöner sei als alle anderen, man sollte sagen, die Sevillaner seien verrückt. Bis zum Bau der Kathedrale von Abidjan im ausgehenden 20.Jahrhundert war sie auch die drittgrößte nach dem Petersdom und St. Paul´s in London. Begonnen wurde die Kathedrale im gotischen Stil und später im Renaissancestil weitergebaut. Obwohl sie gewaltig ist wirkt sie sehr locker und leicht. Ein Sarkophag getragen von vier Herolden, die die Reiche von Leon, Aragon, Navarra und Kastilien darstellen, soll die Reste von Christof Kolumbus enthalten. Wir erklimmen auch die Giralda - das Wahrzeichen Sevillas - sie ist das alte Minarett der Moschee, das den Christen als Glockenturm dient und besuchen auch den Alcazar.

Großzügige Parks spenden Kühle. Am Sonntag tummelt sich ganz Sevilla im Schatten der Bäume. Sevilla ist auch die Stadt der Kacheln, Parkbänke sind hübsch gefliest, auch Dächer, Hauseingänge, viele Restaurants, heilige Motive an Hauswänden, immer wieder kann man verweilen und in Hauseingängen, an Fenstereinfassungen neben den Türen hübsche Fliesenmotive bewundern, abstrakte Muster, aber auch themenbezogene.

Santa Cruz, das alte Viertel hinter der Kathedrale ist verwinkelt und eng, romantisch schön, hinter schmalen Eingängen verbergen sich oft großzügige Patios, die Schatten und Kühle spenden. Viele Cafés und Sherrybars laden zum Verschnaufen ein. Andalusien ist das Land des Jerez - Sherry haben die Engländer daraus gemacht. Das Getränk schmeckte ihnen, es landesgemäß auszusprechen gelang ihnen nicht. Nur um das Gebiet bei Jerez de la Frontera - etwa 100qkm - reift eine bestimmte Rieslingtraube, dereinst vom Rhein gebracht, zum Jerez heran. Es heißt, daß er während seines Reifungsprozesses selbst entscheidet, ob er ein Fino, ein Seco oder ein Dulce wird. Ein Pale Cream als Aperitif, ein Manzanilla zu Oliven oder anderen kräftigen Tapas, das kann man nach kulturellen Wanderungen gut vertragen. Anstelle schwerer Mahlzeiten zu vertilgen, kann man herrlich "Tapa Hopping" machen, d.h. von Tapa Bar zu Tapa Bar wandeln, überall probieren , wieder dorthin zurückgehen wo es am besten geschmeckt hat und es auch sonst nett und unterhaltsam war. Die Sevillaner tun dies ausgiebig.

Die Plaza de Espana mit einem im Halbrund gebauten riesigem Palast gefällt uns sehr, leichte, lockere Architektur , bunter Backstein, viele Kacheln mit Motiven der Städte und Bezirke Spaniens. Stundenlang könnte man verweilen. Wir erfahren, daß der Palast erst 1929 anläßlich der ibero-amerikanischen Ausstellung gebaut wurde und alle teilnehmenden Länder mit einem Fliesenbild verewigt wurden. - Kontrastreich und sehr modern das Expo Gelände von 1992, der Guadalquivir war dafür extra umgeleitet worden, viele sehenswerte Brücken modernster Technik sind gebaut worden. Einige Pavillons stehen noch, ob die Hoffnungen, daß sich nach der Expo hier  viele Firmen ansiedeln würden erfüllt wurden, können wir nicht beurteilen, das Gelände wirkte immer sehr verlassen. Während unserer Stadtrundfahrt am Montag und auch am Sonntag als wir die "Cartuja" ein ehemaliges Kloster und später Keramikfabrik besuchten, 1991 restauriert und heute Kulturzentrum und Museum. Fast zwei Wochen haben wir Sevilla erkundet, meist bis nach dem Mittagessen für das wir sogar bald eine "Stammkneipe" hatten. Die Siestazeit verbrachten wir oft unter schattenspendenden Bäumen im Schwimmbad.

Gezüchtet, um zu sterben:

Ente, Huhn, Ziege, Schaf, Schwein, Kalb, Ochse, Kuh, Rind und - der Kampfstier. Sevilla - Zentrum des Stierkampfes. Selbstverständlich lehnen wir den Stierkampf ab, aber - wir wollen auch wissen, was und warum wir´s ablehnen. Plakate künden vom großen Stierkampf am 11.6. - Corpus Christi - Fronleichnam. Sechs Kampfstiere aus der Züchtung des Conde de la Manza werden drei bekannten Toreros gegenüberstehen. Trotz aller rationeller Ablehnung ist der Gedanke, einen Stierkampf zu erleben, verlockend; eine seltsame Faszination hat uns erfaßt. Karten können wir erst einen Tag vor dem Kampf kaufen und so ist die Besichtigung der berühmtesten und schönsten Stierkampfarena der Welt -  der Real Plaza de la Maestranza und des Museums unser erster Kontakt. Die Arena ist wirklich sehr beeindruckend, und im Museum sehen wir viele Dokumentationen über den Stierkampf, Bilder, Tötungswerkzeuge, Torerokleidung und manch berühmter Stierkopf "grüßt" von der Wand. Es gibt eine Krankenstation und Gebetskapellen. Jeder Torero fleht wohl seine Heiligen an und bittet ums Überleben. Wen fleht wohl der Stier an? In und um die Arena herum ist´s ruhig, nichts deutet auf den Kampf in zwei Tagen hin, auch am Tag des Kartenkaufs ist nichts zu merken, Pferde, Stiere und menschliche Akteure kommen wohl erst am Kampftag. Eine Art Schwarzmarkt spielt sich heute schon am Kartenbüro ab. Eintrittskarten werden uns von älteren Männern angeboten, wohl ganz legal. Wir gehen ins Büro, wo wir noch einen Blick auf den Sitzplan werfen können. Wir wollen gute Schattenplätze, das sind Plätze, die von Beginn an im Schatten liegen und sind am teuersten, Sombra - Schatten, Sol - Sonne, Sol y Sombra Sonne und Schatten je nach Stand der Sonne. Stierkämpfe finden immer im Tageslicht statt, nachmittags oder am frühen Abend.

Beim Bummel durch die Stadt, sehen wir, daß das christliche Sevilla voll beschäftigt ist, sich für die Fronleichnamsprozession zu schmücken und zu rüsten. Stuhlplätze werden verkauft, schattenspendende Tücher über die Straßen und Plätze gespannt, Altäre aufgebaut,  Häuser, Fenster und Schaufenster christlich  geschmückt. Den Weg der Prozession erfahren wir aus der Zeitung, denn das wollen wir uns gerne ansehen.

11.6.98 (Do)

Wir staunen, wieviele Menschen an der Prozession teilnehmen. Der Prozessionsweg duftet nach Rosmarin, die Zweige liegen auf der Straße, trocknen,werden zertreten und verströmen ihren intensiven Duft. Es ist zu heiß um stehen zu bleiben, wir laufen mal mit dem Strom, scheren in Seitengassen aus, stärken uns mit café sólo, gegen einen kleinen Obolus bekommen wir Heiligenbilder und Ähren, Rosmarin heben wir wie alle anderen von der Straße auf und laufen nun wie sie mit ein klein wenig verklärten Gefühlen durch die Straßen. Macarena - uns bisher nur als Lied bekannt -  bekommt hier ein Antlitz, sie ist eine besondere Jungfrau und Heilige die in Sevilla verehrt wird. Nach ein paar tapas und einem leichten Mittagessen bringt uns das Taxi zum Boot. Siesta und "Kraft" für den Stierkampf schöpfen ist angesagt. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, Schlachten, Töten, Quälen, Viehtransporte, Menschengemetzel, Kriegsgemetzel, brutale Gewalt, alles Grausamkeiten, die der Mensch erdenkt und vollbringt.

18h30 sind wir an der Maestranza, buntes Treiben, fliegende Händler bieten kalte Getränke, Sonnenhüte, -creme, Fächer und Stierkampfsouvenirs an. Auch Eintrittskarten sind zu haben. Punkt 19 Uhr geht´s los, die Arena ist 3/4 besetzt. Tierschützer kämpfen auch in den Hochburgen gegen die grausame Tötungsart. "Spanien ist das einzige Land, dessen Nationalschauspiel der Tod ist" hatte  García Lorca über sein Land geschrieben.

Die Akteure: Drei Matadore kommen mit ihren Helfern in die Arena , grüßen Publikum und den Präsidenten mit seinen Richtern. Die Stiere haben noch Schonfrist. Nach dem Applaus könnte man eine Stecknadel fallen hören.

Der erste Matador kommt, bleibt zunächst im Hintergrund, Musik ertönt, uns gegenüber öffnet sich eine Tür, ein wunderschöner schwarz glänzender Stier stürmt in die Arena, ob er weiß, daß er nur 20 Minuten zu leben hat? Den ersten Stich hat er schon vorher bekommen, dunkelrot fließt Blut aus seiner Nackenpartie, ( mir blutet das Herz jetzt schon ). Von drei Helfern wird er "aufgeheizt", wir sehen nicht, daß dort eine mordlüsterne Bestie wütet, das scheint eher der Mensch zu sein. Immerhin jagt der "Toro" seine Widersacher hinter die schützende Wand. Wird der Stier zu wild , lenken die beiden anderen Helfer das Tier ab. Nächste Phase: Die Picadore,- 2 Lanzenreiter- kommen auf ihren gut gepanzerten Pferden herein, einer wohl als Reserve. Der Picador muß dem Stier drei Stiche versetzen, mehr Blut fließt und der Stier wütet ganz schön. Pferd und Reiter werden schon bedrängt. Nach dem dritten Stich sind sofort die Helfer zur Stelle. Kurzer Auftritt des Matadors, dann kommen die Banderilleros und setzen paarweise die Banderillas, eine ziemlich gefährliche Aufgabe, vollkommen ungeschützt müssen sie den richtigen Augenblick finden.  Blitzschnell suchen sie danach Schutz hinter den Wänden., und die Helfer sind sofort mit ihren gelb-lila capas zur Stelle , um den Stier abzulenken.

Die letze Phase beginnt: der Matador spielt das letzte Spiel. Die Regeln kennen wir nicht , aber auch hier scheinen verschiedene Phasen abzulaufen. Die herausfordernde Haltung des Matadors wirkt auf uns arrogant. Zunächst hat er die Muleta - das rote Tuch- in der linken Hand, dann in der rechten Hand und fordert den Stier zum Kampf. Die Muleta ist kleiner als die Capa und daher gefährlicher für den Matador. Er spreizt das Tuch mit einem Holzdegen und führt eine Serie von Figuren vor. Das Publikum äußert Begeisterung oder Mißmut. Es scheint , daß er nach genügend Beifall, den Holzdegen gegen einen langen Stahldegen austauscht und den Stier nun zum Töten zurechtdirigiert. Der Stier muß in eine ganz bestimmte Stellung gebracht werden, damit der Matador zwischen die Hörner gehen und in einem Winkel von 45 Grad zustoßen kann. Nur so kann der Degen neben der Wirbelsäule und zwischen den Rippen zur hinteren Aorta, zu Venen und Arterien durchdringen und den Stier mit einem Stich töten. Nach dem Degenstoß erhält der Stier noch einen Gnadenstoß mit dem Messer ins Gehirn und wird von drei Pferden aus der Arena geschleift. Was wir überhaupt nicht verstehen ist, als die Zuschauer plötzlich mit weißen Taschentüchern in den Händen aufstehen und Mißmut in Richtung Präsident und Jury äußern und der Matador fragend hinaufblickt. Das müssen wir noch herausfinden. Alle sechs Stiere sind immer nach 20 Minuten tot. Vor uns saß ein älterer Herr, der mit totaler Begeisterung die Matadore und Toreros ( erstere sind die , die den Stier töten, alle anderen heißen Toreros) anfeuerte. Eine weitere Szene war besonders seltsam: Ein Stier schien keine Lust zum Kämpfen zu haben, häufig blieb er stehen und blickte in die Runde, plötzlich ertönte Kuhglockengeläut wie auf der Alm und acht braungescheckte Ochsen mit riesigen Glocken am Hals trotteten in die Arena und schienen zu grasen. Der Kampfstier betrachtete die Szene etwas verwundert, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Sterben mußte er auch , zum Kämpfen taugte er nicht und zur Zucht schon gar nicht. Der letzte Kampf zwischen Sevillas Liebling Valderrama und dem Stier Legumbretta, die Stiere haben alle schöne Namen, war insofern spannend und anders, weil der Stier manchmal "die Oberhand" zu haben schien, aber sofort waren die Toreros da und lenkten ihn ab. Valderrama konnte seinen Todesstoß dann doch noch ausführen, das Blut an seinen Händen war nicht seines....Atemlose Stille - bis zum erleichterten Ausatmen und -  großer Applaus. Trotz aller Skepsis spürten wir diese eigenartige Faszination, der Stierkampf hat uns noch nicht losgelassen , er wird uns bestimmt noch eine Weile beschäftigen.

Nach 11 Tagen Sevilla denken wir an Weiterfahrt bzw. Rückreise nach Palma. Weiter hieße nach Portugal, an die Algarve, dort oder auch in Sevilla die Almarina liegen zu lassen, nach Hause zu fliegen und im Oktober zurück nach Palma zu fahren. Alles ist möglich, wir sind ja mobil. Letztendlich entschließen wir uns für die direkte Rückreise. Wir haben mal wieder "Stalldrang" und freuen uns auf Palma.

17.6.98 (Mi)

Um 11 Uhr, können wir durch die Schleuse, es ist warm, windstill, eine schöne Fahrt auf dem Guadalquivir. Vor der Flußmündung ankern und übernachten wir. Ruhige Nacht - viele Fliegen und etliche Mückenstiche.

18.6.98 (Do)

Abreise bei schönem, ruhigem Wetter, Windvorhersagen 6Bft, aber ablandig für uns, da dürfte sich wenig Seegang aufbauen. Pustekuchen! - das Wasser in der Bucht von Cadiz ist so flach, daß Strömung und Wind ungeheuerliche Wellen aufbauen, wir fahren Wasserachterbahn;-  Salzwasserduschen von vorn und der Seite durchfeuchten Schiff und Heidi- ich sitze draußen und halte mich und den Tisch fest - immerhin ist´s nicht mehr kalt, nur salzig naß. Wir haben schon viel erlebt, so etwas noch nicht. Vor der Einfahrt nach Cadiz ist der Teufel los, normalerweise kann man in der Nähe der Hafeneinfahrten meist aufatmen, aber hier ist die Einfahrt ein Abenteuer. Die Steganlagen sind voll, da wo Platz wäre, sind Leinen von anderen Booten ge- und verspannt, die Almarina wäre auch zu groß und zu schwer für die Stege. Ein "marinero" dirigiert uns zu einem Fischerboot, das Anlegemanöver klappt prima, - salzverkrustet und groggy schnaufen wir erst einmal tief durch. Wir haben Strom- und Wasseranschluß, bei Niedrigwasser müssen wir über eine Leiter an Land klettern. Nach wohlverdienter Ruhe geht´s ans Entsalzen,- arme Almarina, das viele Salzwasser tut ihr nicht gut. Draußen wird der Rost regieren , drinnen erstmal Feuchtigkeit.

19.6.98 (Fr )Strahlend blauer Himmel, 8Bft, der Wind ist warm, wir frieren wenigstens nicht mehr. Hinter uns liegt ein Katamaran, irgendwann in der Nacht angekommen, mit südafrikanischer Flagge. Wir helfen mit einem Stromkabel aus, erfahren, daß die Vier-Männer-Crew das Schiff von La Rochelle nach Malta überführt. Sympathische Typen, "vier Davids", von denen einer nicht David heißt, die sich für die Hilfe mit zwei Flaschen südafrikanischem Chardonnay bedanken. Wir können ihnen für die Weiterreise einige nützliche Infos geben, vielleicht sehen wir uns ja in Gibraltar wieder,- für den Katamaran Inspektions- und Reparaturhafen, für uns Tank- und Sightseeingsaufenthalt.

20.6.98 (Sa)

Stadtbummel durch Cadiz, der ältesten Stadt Europas. Die Zeit und die Seeluft haben schon kräftig an der Substanz genagt, wie überall sind die "Stadtsäckel" leer. Die Fresken von Goya in einer Kirche abseits des Touristenrummels können wir uns nicht anschauen  -  wegen Renovierung geschlossen!. Nach dem Mittagessen auf dem Hauptplatz wandern wir zurück zum Hafen. Wandern ist wirklich das richtige Wort, die neuen "Puertos de Andalucía" liegen meist außerhalb der Städte, da heißt es laufen oder Taxi fahren.

21.6.98 (So) Cadiz - Barbate

Wir haben wieder hohen Seegang, die Entscheidung, Barbate anzulaufen ist bald getroffen. Wir sehnen uns nach gemütlicher Seefahrt. Daran haben wir nur ganz schwache Erinnerungen, haben aber noch nicht vergessen, wie schön es sein kann, in aller Gemütsruhe auf dem Achter- oder Vordeck zu sitzen und das Seemannsleben zu genießen. Diesmal laufen wir dicht unter dem Kap Trafalgar - genauste Navigation ist erforderlich, viele Untiefen können für Schiff und Mannschaft gefährlich werden . Es heißt, so dicht unter dem Kap fahren, daß man es mit der Hand greifen kann, oder mindestens 15 Seemeilen entfernt. Vor Barbate müssen wir wieder die Thunfischnetze beachten, aber wir kennen ja schon das Durchschlupfloch. Im Hafen altes Ritual: Süßwasserdusche für die Almarina, speisen im kleinen Restaurant, Siesta - nein Fußball WM 2. Halbzeit Deutschland gegen Jugoslawien.

22.6.98 (Mo) Barbate - Gibraltar

Wieder viel Seegang, die Strömung ist tückisch. Wir fahren mit ablaufendem Wasser und Wind von vorn, das geht einigermaßen, aber zwischendurch bekommen wir wieder Salzwasserduschen über, manchmal steht das Wasser ganz still, dann tost es wieder. Tarifa, die südlichste Stadt Europas, könnte "Fluchthafen" sein, aber wir schaffen es bis Gibraltar. In der Bucht wird es ruhiger, wir sichten Delphine - hier leben viele und erfreuen die Touristen. "Delphinfahrten" werden in Gibraltar en masse angeboten. Britische Flagge hissen, Einwanderungs- und Zollformalitäten erledigen, tanken zum Superpreis von 42 Pfennigen pro Liter. Es ist schon fast wie daheim, wir können am alten Platz, an der "main pier" festmachen. Wieder eine - heute kleine - Etappe geschafft. Das alte Lied - vor Mittagessen und Siesta - Schiff abspülen!

22.6.98 (Mo) -26.6.98 (Fr) Gibraltar

Taxiunternehmen bieten die besondere "Rock Tour" an und da Fußmärsche zu den Sehenswürdigkeiten des Felsen sehr anstrengend wären, leisten wir uns eine Tour. Während der 11/2 Stunden können wir aussteigen, Rundblicke genießen, die sehr schöne Tropfsteinhöhle St. Michael´s Cove besichtigen. "The Apes" - die berühmten Gibraltar Affen begeistern. Sie haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt und neben den ehrwürdigen Alten, die den Felsen bewachen, tummelt sich eine muntere Schar von über 200 mittelalter, junger und viele wenige Tage alter Äffchen an mehren Stellen des Felsens. Zuviele, sagt unser Taxifahrer, man überlege, ob nicht die Pille ins Futter gemischt werden solle. Weiter geht´s zum großen Belagerungstunnel. Daß Gibraltar immer heiß umkämpft worden ist, liegt an der idealen Lage. "The Upper Galleries" wurden im 18.Jahrhundert in den Fels gehauen, um die schweren Kanonen in die richtigen Schußposition - Richtung Spanien - zu bringen. An der maurischen Burganlage geht´s nach interessanten 1 1/2 Stunden zurück ins Tal, in der Main Street tummeln sich Einheimische und viele Touristen. Noch einmal "fish and chips", das gehört auf britischem Boden nun mal dazu. Inzwischen steht fest, daß wir ein neues Funkgerät brauchen, der Fehler beim alten läßt sich nicht beheben. Dieter hat einige Zeit mit dem Einbau zu tun, muß auch die Filter säubern und den technischen Check vor der Abreise machen, währenddessen bummle ich noch mal durch die Main Street.

26.6.98 (Fr) Gibraltar - Benamaldena

Angenehme Fahrt, Delphine begegnen uns, sie haben sicher einen Touristentreff in der Bucht von Gibraltar. Benalmadena ist nicht unser Fall, riesig, bombastisch - Tourismus total.

27.6. 98 Sa) Benalmadena - Almerimar

Dichter Nebel schließt uns über Stunden ein, Sicht gleich Null. Das Radar muß für uns sehen. Die See ist ruhig und im Laufe des Tages wird es etwas besser.

28.6.98 (So) Almerimar - Garrucha

Glatte See, glasige Sonne - ein schöner Reisetag. Wir fahren bis Garrucha, jetzt laufen wir öfter Häfen an, in denen wir auf der Hinfahrt übernachtet haben. Trotz allem müssen wir wieder in der Capitania alle Anmeldeformulare ausfüllen. Die Sea Samba liegt hier, wir hatten vor einigen Wochen in Almerimar neben ihnen gelegen. Weit sind sie also bisher nicht gekommen, sie bummeln sich ganz gemütlich durch. Es wird ein netter langer Abend auf dem Achterdeck der Almarina. Vielleicht treffen wir uns ja mal wieder.

29.6.98 (Mo) Garrucha - Aguilas

Heute ist ein fauler, kurzer Reisetag. Die Bucht bietet bei Nordostwind guten Schutz, wir wollen schwimmen, faulenzen und über Nacht vor Anker bleiben. Ohne Papierkrieg geht´s allerdings auch hier nicht, zwei freundliche Polizisten der Guardia Civil kommen längsseits und verlangen unsere Papiere. Zum Mittagessen fahren wir mit dem Beiboot an Land und machen kleine Einkäufe. Von der Terrasse des Restaurants können wir die Almarina im Auge behalten. Wir scheinen "Fliegenfängerleim" auszudünsten, alle Gäste sitzen ganz gelassen, während wir von unzähligen Plagegeistern heimgesucht werden und ständig um uns schlagen müssen. Das Essen ist gut, der Service lahm, aber uns drängt nichts. Schwimmen und Schnorcheln nach dem Fußballspiel Deutschland gegen Mexiko. Unsere Satellitenantenne steuert prima nach, trotz der Wellen haben wir ein ziemlich stabiles Bild.

30.6.98 (Die) Aguilas - Mar Menor

Wieder ein schöner Reisetag. Wir merken, daß es uns zu den Balearen zieht und wenn es der Seegang erlaubt, soll man auch reisen. Unterwegs kommt ein Boot der Guardia Civil längsseits, sie verlangen die Papiere und inspizieren sogar das Boot - "Routineüberprüfung" sagen sie. Sehr sorgfältig sind sie nicht, die Achterkabine ist ihnen gar nicht aufgefallen. Um 16 Uhr sind wir im Zufahrtskanal zum Mar Menor, - auf der Hinreise hatten wir in der Marina Tomás Mestre drei Tage auf besseres Wetter gewartet - heute wollen wir im Binnenmeer ankern. Ruhige Nacht, nur spätes und sehr frühes Möwengeschrei, wir überlegen zu bleiben, aber das Wasser gefällt uns nicht sehr.

1.7.98 (Mi) Mar Menor - Alicante

Um 9 Uhr wird die Brücke geöffnet , ab geht´s aufs Meer hinaus. Der Wind hat auf West gedreht, ruhig zieht die Almarina ihre Bahn durchs leicht bewegte Wasser. Ich liebe es, auf dem Vordeck zu sitzen, aufs Meer zu schauen, zu träumen und manchmal auch zu denken. Die Sonnenstrahlen lassen tausende von Sternen auf den Wellen glitzern, hin und wieder ein fliegender Fisch, eine Schwanzflosse, ein kleiner Fischschwarm - es ist nie langweilig. Der Blick zum Land zeigt Zivilisation, Spaniens Küste ist Baukranenland, vielerorts wird passend zur Landschaft gebaut, aber auch Wohnfabriken werden immer noch in die Höhe gezogen. Der Wind wird stärker, wir werden Alicante anlaufen. Seit Garrucha ist die Almarina nicht mehr abgespült worden, Salz, Sand und Schmier von beidem verunzieren ihre Schönheit. Nach dem Anlegemanöver wird sie sofort gereinigt.

Seit dem 17.5. sind wir nun unterwegs - wir sind durch zwei Jahreszeiten gefahren, mußten uns gegen Wind und Kälte schützen, jetzt ist der Wind sommerlich warm, leichte Sommerbekleidung genügt.

Von hier trennen uns theoretisch gesehen noch zwei Reisetage bis Palma, wir sind also schon fast zu Hause, können´s langsam angehen lassen. Ein paar Schwimmtage wären schön, einige Pflegearbeiten am Schiff sind notwendig. Sonne und Salz nagen an der Substanz unserer kleinen, weißen Geliebten! - aber sie ist ein tolles Schiff und es lohnt sich, sie mit viel Pflege zu erhalten.

1.7.98 (Mi) - 4.7.98

Die Fahrt nach Alicante ist erträglich, zunehmender Wind und Schwell "plagen" uns aber wieder bald auf halber Strecke. In Alicante werden wir einen schönen Reisetag abwarten und unterdessen auf Stadterkundung gehen. Überragt wird die Stadt von einer großen Festung, die außer zu Fuß oder mit dem Auto auch mit einem Fahrstuhl zu erreichen ist. Ein langer Tunnel führt von der Uferstraße ins Innere des Berges, 147 Meter geht es hinauf. Die Festung wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt, zur Zeit sind Skulpturen zeitgenössischer Künstler zu sehen - ein schönes Ambiente für die Kunst - , und Vorbereitungen für ein Konzert sind im Gange. Das alte Viertel Santa Cruz unterhalb der Festung ist verwinkelt mit vielen malerischen Plätzchen und Gäßchen, blumengeschmückten Häusern und Treppen, kleine Bars laden zum Verweilen ein, keinerlei Hektik, hier steht die Zeit still. Alte Männer sitzen vor den Türen, diskutieren, spielen Karten oder Domino, ein Bier oder ein Wein schmecken auch schon am Vormittag. Frauen halten ihr Schwätzchen auf der Straße, oft werden die Stühle einfach nach draußen gestellt, der Morgenwind bringt angenehme Kühle. In den "Pozos", einem Brunnen- bzw. Wasserreservoir- System erklärt uns ein agiler älterer Herr, daß Regenwasser vom Festungsberg in drei Kammern, durch die wir jetzt laufen, eingeleitet und gespeichert wurde. Die Kammern sind große Gewölbe, die heute Museum sind. Wasserkrüge jedweder Art sind zu bewundern, auf Infotafeln können wir nachlesen, wie die Brunnen funktionierten. Während des Bürgerkrieges dienten zwei Reservoire als Versteck, nur das mittlere war mit Wasser gefüllt. Hübsch sind die Krüge, es gibt welche für die Dame, den Herrn, den Bauern,  Jäger und Hirten. An Form und Verzierung lassen sich Zeit, Land oder Stadt der Herstellung erkennen. Er demonstriert uns auch, wie schön kühl das Wasser ist, wie gut es schmeckt. Sein Spezialtrunk hat einen erfrischenden Anisgeschmack!!

In einer urigen Kneipe, die ganz dem Stierkampf gewidmet ist, lüftet sich das Geheimnis der weißen Tücher, die die Zuschauer plötzlich während der "corrida" in den Händen schwenkten. Sie hatten vom Präsidenten für den Matador ein Ohr des Stieres gefordert, eine besondere Auszeichnung für einen guten Kampf. Der Präsident hatte abgelehnt und den Unwillen der Zuschauer erregt. So ist auch der fragende Blick Valderramas in Richtung Jury wohl zu erklären.

4.7.98 (Sa) Alicante -  Moraya

Der Club Nautico ist klein, fein und sehr teuer. Zum ersten Mal zahlen wir nicht die Länge des Schiffes sondern die Breite. Der Ort ist sehr hübsch.

5.7.98 (So) Moraya - Javea.

Am Cabo de la Nao wollten wir Kurs auf Ibiza nehmen, aber die Fahrt wurde zunehmend ungemütlicher, ein unerklärlicher Schwell - möglicher Vorbote starker Nordostwinde - veranlaßte uns mal wieder abzuwarten. Kleine schöne Natureinlage: Delphine, viele Muttertiere mit ihren Jungen begleiteten uns eine Weile. In einer geschützten Bucht vor Javea wollen wir abwarten, das Wasser lädt zum Schnorcheln ein. Sehr häufig sind wir bisher noch nicht ins Wasser gekommen. Montag und auch Dienstag versuchen wir in aller Frühe den Absprung, kehren aber jedesmal wieder um. Wir wünschen uns so sehr eine problemlose, schaukelfreie Überfahrt nach Ibiza. Der Hafen ist sehr voll, 1984 hatten wir hier auch vor dem Hafen geankert. Am Mittwochabend können wir einen Liegeplatz bekommen. Besonderheit in Javea: Mitten in der verwinkelten Stadt steht eine sehr moderne, einem Schiff nachempfundene Kirche. Die Holzdecke ist als Schiffsrumpf geformt.

9.7.98 (Do)

Die Nacht war windstill, das Meer hat sich beruhigt, wir bekommen unseren schönen Reisetag. 8h15 Leinen los, etwas Dünung und Welle , leichter Wind , Sonne, wir sind zufrieden. 13h40 Anker ab mitten im Hafen von San Antonio. Mit dem Beiboot zum Essen an Land. Im Club Nautico lassen wir uns verwöhnen. Beim Bummel durch den Ort hatten wir keine Lust auf Touristenkneipen.

10.7.98 (Fr) San Antonio/Ibiza - Puerto de Andraitx

Ruhige Nacht vor Anker. 8 Uhr Anker auf. Wir haben noch deutliche Dünung aus Nordost, aber keinen Wind, also keine zusätzliche Welle, dazu Sonne,~28- 30 Grad. Wir genießen unsere letzte längere Reiseetappe. Um 14h10 fällt der Anker , Mallorca hat uns wieder! Wir fahren gleich mit dem Beiboot an Land, essen beim Italiener und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt ein. Siesta an Bord und den Abend verbringen ebenfalls an Bord. Die Bucht von Andraitx ist immer wieder schön, viele Jachten liegen hier vor Anker. Hoffentlich bleibt das auch so, im hinteren Teil ist Ankern schon verboten. Die Stadtpier ist meist belegt, dann müßte man immer im Club de Vela festmachen.

11.7.98 (Sa) Andraitx

Café con leche und croissantes an Land, Ortsbummel, Nachmittag und Abend an Bord. Fußball WM Holland gegen Kroatien um den dritten Platz. Mehrere Telefonate mit Fluggesellschaften, für preiswerte Flüge ist´s noch zu früh.

12.7.98 (So) Andraitx

Wieder Frühstück an Land und Bummel in die östliche Bucht. Als wir zurück zum Dingi kommen , erwartet uns Mary, ( Paul und Mary sind alte Freunde ), sie hatten  die Almarina gesehen und auch unser Dingi entdeckt und auf uns gewartet. Wir fahren mit dem Jeep zu ihrer Finca etwas außerhalb vom Ort Andraitx. Sie waren 6 Jahre mit ihrem Seegelboot auf Weltreise, sind seit zwei Jahren zurück und haben inzwischen viel an ihrer Finca gebaut. Frisch gepreßter Zitronensaft aus eigener Ernte ist ein köstlicher Sonntagmorgentrunk. Nachmittags sind wir wieder an Bord.

13.7.98 (Mo) Andraitx - Palma Nova

Badetag in der Bucht. Das Wasser ist klar und wir finden sogar unseren alten Mooringstein vom letzten Herbst. Dieter taucht mit Angelhaken ab und fischt das Tau, das dann an der Almarina festgemacht wird. Wir liegen nun vor Anker und an einer Mooring und "schwojen" nicht mehr so sehr. In der Nacht dreht der Wind auf, die Wellen klatschen an die Bordwand.

14.7.98 (Die)

Der Wind hat gedreht, um 6 Uhr weckt mich Dieter, wir müssen vom Ankerplatz weg, auf der Kette und Mooringleine steht starker Druck. Dieter klariert Anker und Leine, ich stehe am Ruder. Wir verlegen uns in eine andere, geschütztere Bucht - Illetas - wo wir noch baden und schnorcheln. Da das Wetter nicht sehr verlockend ist, beschließen wir, am Abend nach Palma zu fahren. Um 18h10 sind wir am Liegeplatz - von großer Reise zurück. Heute wird nicht mehr geputzt, dazu bleibt bis zu unserem Abflug am 23.7. noch Zeit genug. Das Salz klebt und läuft nicht weg. Abends bummeln wir in die Calle Apuntadores zu Pope, hier sind wir seit 1985 Stammgäste und gehören schon ein bißchen zur Familie. Qualität und Preise sind in all den Jahren gleich geblieben.

Die folgenden Tage sind ausgefüllt mit größeren und kleineren Schiffsarbeiten, gemütlichen Stunden an Bord allein und mit Freunden und Bekannten. Weimers vom WYC  besuchen uns mit ihren Freunden, bevor sie zu sechst auf Chartertörn rund Mallorca und Menorca gehen. In Las Cuevas - einer Tapa-Bar verbringen wir einen sehr schönen, anregenden Abend und auch Thurs besuchen uns.

Der Anker wird zum Richten abgeholt, bei starkem Wind ist er vor Anker sehr strapaziert worden , obwohl er nicht zu den zierlichen Exemplaren gehört, hat´s ihn krumm gebogen. Die Polster vom Achterdeck müssen entsalzt und gereinigt werden, auch das geschieht in diesen Tagen, Walter Hansen holt das alte Funkgerät ab, er wird wohl der einzige sein, der eventuell noch Ersatzteile hat. Mary kommt noch , um sich einige Mooringrollen zu holen. Wir erleben noch einen wunderschönen Abend im Parc de la Mar unterhalb der Kathedrale bei einem Frank Sinatra Erinnerungskonzert. Solche Konzerte werden im Sommer als Gratiskultur der Stadt angeboten. Aber da ist auch noch ein "Schrecken in den Abendstunden" - der Schlauch von der Heckdusche ist abgebrochen = 200l Wasser im Achterschiff - Schei...! Aber es ist zumindest Süßwasser.

 

Und nun noch die gesamte Reise auf einen kleinen, nüchternen Nenner gebracht:
1.357 Seemeilen (2.513 Km)
4.860 Liter Diesel,
3,58 Liter pro Seemeile.

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