Sauerkraut - Bootsreise mit der MS AQUARIUS (WYC)
Sommer 2000

(Datum der Veröffentlichung 15.03.2001)

Autoren: Gottfried und Irmgard Frisch, Am Haag 12, 65812 Bad Soden
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Im Sommer 2000 unternahmen wir,
d. h. Bordfrau Irmgard (und Bordhund Sunny) und ich sowie als unsere Gäste Irmgards Bruder Gerhard mit seiner Frau Christel eine 3-wöchige Rundreise, und zwar vom Heimathafen Wiesbaden-Schierstein rheinabwärts bis Koblenz, moselaufwärts bis zum Rhein-Marne Kanal bei Nancy, über diesen Kanal bis Straßburg und von hier den Rhein zurück nach Wiesbaden-Schierstein (die sog. Sauerkrauttour).

Um es vorweg zu nehmen, das Sommerwetter des vergangenen Jahres war bekanntlich bis auf einen Monat, den Juli, für uns Bootsfahrer recht angenehm. Aber ausgerechnet für den viel zu kalten und verregneten Monat Juli hatten wir die dreiwöchige Rundreise geplant, und wir starteten am Sonntag den 2. Juli, vormittags. Nach einer gemütlichen Fahrt bei schönstem Wetter von Wi-Schierstein (km 505) bis Koblenz den Rhein hinab, bogen wir bei Stromkilometer 592 ab in die Moselmündung und nach wenigen Moselkilometern zur Schleuse Koblenz. Hier wunderten wir uns darüber, daß wir nach unserer über Funk übermittelten Bitte als einziges Boot geschleust wurden und hierfür DM 9,-- bezahlen mußten, das hatten wir noch nicht erlebt. Nach kurzer Fahrt machten wir danach für die Nacht bei Moselkilometer 12, am Steg der Marina im Jachthafen Winningen fest. Am folgenden Morgen fiel uns sofort der sehr niedrige Wasserstand auf, wir hatten plötzlich nur noch ca. 10 cm Wasser unter den Schrauben, die bei der AQUARIUS erheblich unter den Kiel hinausragen. Auf unsere Nachfrage informierte uns ein Stegnachbar, daß “doch bekanntlich“ wegen Schleusenreparaturarbeiten seit diesem Montag und für den Rest der Woche das Moselwasser von der Schleuse Lehmen (km 20) ab bis zur Schleuse Koblenz bis auf eine schmale Fahrrinne abgelassen werden solle, und die Schleuse Müden (km 37) in dieser Zeit ganz außer Betrieb genommen werde. Da hatten wir den Salat. Diese Maßnahmen waren natürlich vorher in den entsprechenden Wasser- und Schifffahrtsnachrichten bekannt gemacht worden die wir allerdings nicht beachtet hatten - wer denkt schon an so etwas ? Um in dieser unvorhergesehenen Zwangspause nun hier am Steg nicht zum Teil trockenzufallen, hieß es daher sofort (und ohne Frühstück): Leinen los und unter Aufwühlen von Schlammwolken vorsichtig aus dem Hafen und in die Flußfahrrinne zu buksieren, was uns mit angespannten Nerven und einigen Kratzgeräuschen vom sandigen Grund auch gelang. Vorsichtig ging es dann die kurze Strecke bis zur Schleuse Lehmen stromauf, wo wir für DM 9,-- auch sofort zu Berg geschleust wurden. Danach war der Wasserstand zwar wieder normal, wir waren in diesem Moselabschnitt (bis zur nächsten Schleuse Müden) nun jedoch gefangen, da diese Schleuse vollständig außer Betrieb war. Im Örtchen `Burgen´ (km 32), im winzigen Hafen des Boots- und Camping-Center “Laguna“, machten wir daher für die nächsten Tage fest.

Es hatte bereits am Sonntagabend ein schweres Gewitter gegeben, und der Wettergott war danach leider meistens gegen uns. Wir hatten Klappfahrräder an Bord und so unternahmen wir (zwischen den Regenschauern) verschiedene Radtouren entlang der Mosel in die benachbarten Örtchen und auch Wanderungen in die Umgebung. So besuchten wir z. B. die vollständig original erhaltene und bewohnte Burg Elz (aus dem Jahr 1150) in einer wildromantischen Waldgegend - ein sehr zu empfehlendes, lohnendes Ausflugsziel! Per Eisenbahn entlang der Mosel besuchten wir auch Kochem und erkundeten die schöne Altstadt (wiederum mit einer Burgbesichtigung).

So hatte dieser Zwangsaufenthalt auch sein Gutes, wir hätten diese Gegend und deren Örtchen (und die dortigen Gaststätten) sonst bestimmt nicht so gut kennengelernt. Am Freitagmorgen, dem 7. Juli, konnten wir endlich die wieder betriebsbereite Schleuse Müden passieren und von nun an verlief (fast) alles problemlos. Nach mehreren Schleusungen ohne viel Wartezeit (es waren nun auch wieder viele Frachtschiffe unterwegs), waren wir abends am Steg beim MYC Traben Trabach. Die Mosel, die wir bisher nur teilweise von Land aus kannten, bietet wirklich nach jeder Flußbiegung immer wieder herrliche Ausblicke. Wir hatten bisher kaum eine Vorstellung von der enormen Ausdehnung der Weinanbauflächen an diesem Fluß, z. T. an beiden Uferseiten, und wie unglaublich steil die mit Weinstöcken bebauten Abhänge häufig sind. Man hatte uns vor der drückenden Hitze im Juli im engen Moseltal gewarnt, diese Erfahrung konnten wir leider nicht teilen, wir können dafür nur vor häufigem Regengetrommel aufs Kajütdach warnen. Am folgenden Tag setzten wir unsere Fahrt fort, zunächst bis zum Yachthafen Bernkastel Kus (km 130) und nach einem Bummel durch die sehr sehenswerte Altstadt (und nach einem ausgiebigen Mittagessen) weiter über Schleuse Wintrich bis zur Schleuse Detzem (km 167). Vor dieser Schleuse mußten wir (erstmalig auf dieser Reise) fast 2 Stunden auf das Mitschleusen mit einem Frachtschiff warten (3 Schleusengänge), da sich immer wieder neue Passagier- und Frachtschiffe anmeldeten, die die Schleusenkammer mit ihrer gut 170 m Länge ganz ausfüllten.

Warten vor Moselschleusen ist für Sportboote, die die nur ca.3,6 m breiten Sportschleusen nicht nutzen können, sehr unangenehm da es für uns praktisch keine Möglichkeiten zum Festmachen gibt. Die vorhandenen Dalben stehen zu weit auseinander, und die kurzen Spundwände vor den Kammern sind meistens von wartenden Frachtschiffen belegt. So hielten wir uns in der Wartezeit gegen Strömung und Wind im Leerlauf mühsam aus dem Fahrwasser. Während des langen Wartens war es Abend geworden und als wir die Schleuse endlich passieren konnten, begann es dunkel zu werden! Unser Ziel für die Nacht, der Hafen des WSC Mehringen, lag jedoch nur 3 km voraus, in dessen schmale Einfahrt wir - trotz Wind und Strömung - auch bald gut einliefen. Im Hafenbecken war allerdings weder ein Gast- oder ein freier Liegeplatz, noch ein Hafenmeister oder eine andere hilfreiche Person auszumachen, obwohl mehrere Boote beleuchtet waren und unsere Liegeplatzsuche ganz sicher beobachtet wurde. Die für uns einzig erkennbare Liegemöglichkeit bestand daher im Längsseitsgehen an ein an der Kaimauer liegendes, beleuchtetes, etwa gleich großes, französisches, Boot, von dem uns ein Angler seine Angelrute entgegenstreckte. Unsere (deutsch und französisch) vorgetragene Bitte, längsseits gehen zu dürfen, wurde von ihm jedoch ignoriert, bzw. abgelehnt da der Patrone angeblich nicht an Bord sei - die Angelrute blieb zwischen uns. Um durch den Wind in dem kleinen Hafenbecken nicht gegen andere Boote zu treiben blieb uns nichts weiter übrig, als Fahrt aufzunehmen und diesen äußerst ungastlichen Hafen Mehringen zu verlassen. Im Dunkeln und in unbekanntem Gewässer war nun guter Rat teuer, gemäß Handbuch lag kein geeigneter Hafen für uns in Reichweite. Glücklicherweise trafen wir nach ca. 5 km Fahrt stromauf auf ein ankerndes Frachtschiff, dessen Kapitän es uns gestattete (und) für eine gute Flasche Clubwein längsseits zu gehen und für die Nacht zu bleiben. Auf diesen Schreck hin zeigte uns die Bordfrau, was Bordküche und Bilgenkeller hergeben können wenn mal ein Landgang nicht möglich ist. Unangenehm war es wohl nur für unser Bordhündchen “Sunny“, das bis zum Landgang am nächsten Morgen in Mehringen (wo wir dann an einer Mauer neben einer Straße festmachten) durchhalten mußte. Bei strömendem Regen verließen wir Mehringen und erreichten gegen Mittag die Schleuse Trier (km 196), die wir ohne große Wartezeit passierten, um kurz danach im Hafen von Trier, an der “URANUS“, einem alten Minensuchboot mit Restauration des Marinevereins-Trier (mit Unterstützung des sehr freundlichen Verwalters), bis zum nächsten Morgen festzumachen. Bewaffnet mit den erforderlichen Regenschirmen ging es am Nachmittag zur Erkundung von Sehenswürdigkeiten (und Restaurants) dieser schönen Stadt, dessen Zentrum für uns per Bus gut zu erreichen war.

Am folgenden Morgen verkündeten einige Sonnenstrahlen eine Wetterbesserung, für uns hieß es daher Leinen los. Wir erreichten bald Luxenburg und bei km 213 passierten wir ohne Wartezeit die Schleuse Grevenmacher und danach, bei km 230, mit ½-stündiger Wartezeit die Schleuse Palzen. Ordnungsgemäß hatten wir natürlich bei Erreichen Luxemburgs die Gastflagge an Steuerbord gesetzt. Leider hatten sich zwischenzeitlich die Regenwolken wieder durchgesetzt. Nachdem in dem kleinen Hafen von Schwebsingen (km 233) unsere Dieseltanks wieder aufgefüllt waren (denn die günstigeren Preise in diesem Land sollten natürlich nicht ungenutzt bleiben) ging es jeweils mit erträglicher Wartezeit durch die Schleusen von Apach (km 243, hier erreichten wir Frankreich) und Königsmaker (km 258), am Abend machten wir für die Nacht an einer etwas abentheuerlichen Steganlage, mit jedoch sehr freundlichem Empfang durch den Hafenmeister beim Motorbootclub in Thionville fest (km 269).

Unser Ziel des folgenden Tages war die schöne Stadt Metz. Vorsichtig, da gewarnt durch erhebliche Blessuren, die sich ein anderes Gastboot infolge der Enge und der starken Strömung bei Ausfahrt aus dem Hafen geholt hatte, verließen wir am Morgen den gastlichen Hafen und passierten nun ohne wesentliche Verzögerungen 4 Schleusen, und zwar Thionville (km 270), l´Orne (km 278), Talange (km 284) und Metz (km 298). Der Jachthafen von Metz, der für 3 Tage unser Domizil wurde, ist in einer großen Parkanlage sehr schön und nah zum Stadtzentrum gelegen, dazu bietet diese aus dem Anfang unserer Zeitrechnung stammende Stadt sehr viele Sehenswürdigkeiten, so daß der Aufenthalt hier wirklich ein Muß war. Wir hatten zudem das Glück, am 13. und 14 Juli die Militärparaden und ein grandioses Feuerwerk zum Tag der Bastille zu erleben, letzteres leider direkt über dem Jachthafen mit entsprechendem Funkenregen der zwar vom Regennaß weitgehend gelöscht, von uns jedoch als sehr unangenehme Bootsverschmutzung empfunden wurde.

Am 15. Juli ging unsere Fahrt weiter mit Ziel “Nancy“, nun teils durch Kanäle, die parallel zur Mosel verliefen, teils durch große, seenartige Moselaufstauungen, das Wetter hatte sich nun auch etwas gebessert. Wir hatten 6 Schleusen zu passieren, und zwar Ars-sur-Moselle (km 307), Pagny-sur-Moselle (km 318), Blenod (km 332), Custines (km 344), Clevant (km 348) und Junktion (km 355). Durch die Letztere, die wir zunächst - völlig ratlos - nur als ein dunkles schmales Loch unter einer Eisenbahnbrücke und nicht als eine noch funktionierende Schleuse identifiziert hatten, verließen wir die Mosel. Wir befanden uns nun plötzlich in der winzig schmalen Einfahrt zum Rhein-Marne-Kanal. Das dunkle Loch, ohne jegliche Lichterführung oder ein sichtbares Schleusenhaus, hatte sich plötzlich vor uns aufgetan und sich als die für uns erste (noch ungewohnt kleine) Schleuse in Penichengröße erwiesen. In dem schmalen Kanal, dessen trübes Wasser fast über die Dammränder schwapte, hieß es von jetzt an langsam und mit kaum mehr als Leerlaufdrehzahl zu fahren. Die AQUARIUS schwamm nun hoch über der Landschaft, dicht vorbei an Straßen und Häusern, denen wir z.T. in die Fenster sehen konnten. Es kam uns auch bald eine Peniche und wenig später ein großes Berufs-Ausflugsschiff entgegen und wir hatten kaum geglaubt, daran ohne Schramme vorbeikommen zu können, später wurden Begegnungsmanöver zur Routine. Nach ca. 10 km erreichten wir den Hafen von Nancy und manöverierten uns in die letzte freie Anlegebox. Von der Größe und Ausstattung dieses schönen Hafens mitten im Stadtgebiet waren wir angenehm überrascht, an diesem schmalen Kanal hatten wir eine so gepflegte Steganlage mit ca. 60 Liegeplätzen nicht erwartet. Wir blieben hier zwei Tage um das schöne Nancy, die Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Lothringen, die mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten Mittelalter, Renaisscance, Barock und Jugendstil miteinander vereint, zu erkunden. Unter dem Polenkönig und letzten Herzog von Lotringen, Stanislas (einem Schwiegersohn Ludwig XV), entstand in der damals schon 7 Jahrhunderte unabhängigen Stadt das schönste Ensemble der Städteplanung und Architektur des 18. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert später prägten französische Jugendstilkünstler mit ihrer dekorativen Kunst die Architektur ihrer Zeit. Besonders beeindruckend ist der Place Stanislas mit dem Stanislas-Reiterstandbild im Zentrum und den kunstvoll geschmiedeten, vergoldeten Zugangstoren zum Platz und den kunstvollen Brunnen an den Seiten.

Bei schönem Wetter verließen wir morgens diesen schönen Hafen und genossen von nun an die gemütliche Fahrt mit ca. 8-10 Stundenkilomern und immer wieder herrlichen Ausblicken in die blühende Landschaft, leider allerdings nach jeweils 3 bis 5 Kilometern durch Schleusenaufenthalte unterbrochen. Das Schleusen in diesen winzigen Becken, in die jeweils nur 2 Sportboote passen, erfolgte nach kurzer Einübung problemlos und ohne große Aufenthalte, so daß wir an diesem Tag 17 Schleusen passierten konnten. Die ersten 4 Schleusen bedienten noch Schleusenwärter, später bedienten wir die Schleusentore dann selbst, anfangs mittels übernommener Funk-Fernbedienung und danach jeweils durch Betätigen der Schaltgestänge in den Schleusenkammern. Auf dem Kanal waren sehr viele Charter-Hausboote unterwegs, die zwar ringsherum mit dauerhaft befestigten Fendern behängt waren, zu denen wir allerdings bald respektvoll Abstand hielten, denn viele davon wurden gefahren wie Autoscouter auf einer Kirmes!

Im Handbuch war bei Kanalkilometer 216 ein ländliches Restaurant mit Anlegemöglichkeit beschrieben, das war unser Ziel für Abendessen und die Nachtruhe. Nach dem Festmachen dort stellte sich jedoch leider heraus, daß das Restaurant (wohl wegen der Einsamkeit und Gästemangel) nicht mehr in Betrieb war. Ein von der Bordfrau nach einem weiteren in dieser Einsamkeit für uns erreichbaren Lokal befragter Franzose im Nachbarhaus erbot sich sofort, einen befreundeten Restaurantwirt anzurufen, der uns zum Abendessen in sein Lokal in einem Nachbarort abholen würde. So war es denn auch, ein überaus freundlicher Wirt transportierte uns (natürlich kostenlos hin und zurück) zu einem hervorragenden Abendessen (und Trinken) in sein gut besuchtes Restaurant “Chez Mischele“, im ca.18 km entfernt gelegenen Dorf Languimberg. Wir hätten ein so hervorragendes (von außen recht unscheinbares) Restaurant in dieser ländlichen Gegend nicht vermutet - es war ein echter Geheimtip -. Unser Ziel für den folgenden Tag war der Hafen der schönen elsässische Stadt Saverne. Auf dieser nur ca. 50 km langen Strecke hatte die AQUARIUS 16 Schleusen, zwei Tunnels und einen Schrägaufzug zu überwinden, für die Crew eine echte Herausforderung. Wir hätten uns für diese schöne Strecke eigentlich etwas mehr Zeit nehmen sollen. Zum Glück hatte sich das schöne Wetter stabilisiert und so genossen wir die schöne Landschaft. Nach der 3. Schleuse erweiterte sich der Kanal zu einem großen ca. 5 km langen See, der allerdings gemäß Handbuch nur nahe am Uferdamm an Steuerbord überquert werden sollte. Am Ende des Sees versperrte ein ca. 60 m fast senkrecht aufragender Berg die Weiterfahrt und erst im Näherkommen erkannten wir am Fuße dieses Berges, über der Wasserfläche eine schwarze Wand mit rotem Signallicht, das Tor der Schachtschleuse. Nachdem wir ca.30 Minuten davor gewartet hatten verschwand diese Wand plötzlich nach oben im Berg und gab ein tiefes, dunkles Loch frei, aus der uns ein Sportboot entgegen kam und in das wir mutig hineinfuhren. Über uns war der Himmel nur als kleines Rechteck erkennbar das jedoch größer und größer wurde, als die AQUARIUS in diesem Schacht 46 m, am Schwimmpoller liegend in die Höhe gehoben wurde. Wir durchfuhren danach das romantische, sehr bergige Elsass durch das der Kanalbau einst für die Ingenieure eine echte Herausforderung gewesen sein muß. Gegen Mittag erreichten wir bei Niederviller den Einfahrtshafen zu einer ampelgesteuerten Kanalstrecke durch zwei aufeinander folgende Tunnel von 0,5 bzw. 4,5 km Länge und teilweise nur 5,5 m Breite. Im Hafenbecken warteten wir, zusammen mit mehreren Charterbooten, ca. 30 Minuten auf die Grünphase der Ampel und hatten dann das Glück, als erstes Boot (vor den langsamen Charterbooten) in den Tunnel einfahren zu können. So konnten wir durch entsprechende Fahrt (die wohl etwas über der zuässigen von 8 km/h lag) vermeiden, das die AQUARIUS aus dem Ruder lief und an den sehr rauhen Wänden beschädigt wurde (wenig Ruderwirkung des Halbgleiters). Im Tunnel waren nur in relativ großen Abständen sehr funzelige Deckenlampen in Betrieb, so daß wir die Durchfahrt ohne unseren Suchscheinwerfer wohl kaum ohne Schäden gemeistert hätten.

Danach lag vor uns eine weitere Attraktion: bei Arzviller unterbrach ein Schiffs-Schrägaufzug den Kanal, der die AQUARIUS ca. 50 m abwärts transportieren sollte, wir hatten hier die Kanalwasserscheide erreicht und von hier bis zum Heimathafen trugen uns alle folgenden Schleusen wieder abwärts. Dieser Schiffsaufzug, in einem romantischen Bergwald gelegen, ist offensichtlich auch für viele Ausflügler der Region eine Attraktion, es gab hier Andenkengeschäfte, ein Restaurant und Imbissbuden und das Schauspiel unserer Einfahrt in die Aufzugswanne, die anschließend mit uns auf Schienen in die Tiefe rollte, wurde von vielen Schaulustigen gespannt beobachtet. Unsere Fahrt führte danach durch eine wildromantische Berglandschaft des Elsass, mit kleinen Örtchen am Kanal, z.B. Lützelburg, die zum Verweilen einluden. Naturgemäß sind im bergigen Gelände die Strecken zwischen den Schleusen recht kurz und da hier auch reger Bootsverkehr herschte, ging es nicht immer ganz ohne Wartezeiten. Am Abend machten wir an der Kaimauer des recht großen und ordentlich geführten Stadthafens von Saverne fest und erkundeten am folgenden Tag das schöne Städchen. Natürlich probierten wir hier (wie schon andernorts auf dieser Sauerkrauttour) das obligatorische Choucroute. Die Fortsetzung der Reise brachte uns in zwei Tagen von jeweils ca. 5 Stunden Fahrzeit (mit 18 Schleusungen) und Übernachtung in Waltenheim nach Straßburg, das wir ausgiebig per Stadtbus von dem Vorort Suffelweiersheim aus erkundeten. Diese Stadt bietet so viele Sehenswürdigkeiten, daß wir uns vornahmen, den Besuch hier bald einmal zu wiederholen. Wir hatten in dem kleinen Schleusenvorhafen von Suffelweiersheim Station gemacht da uns direkt im Stadtgebiet Straßburgs kein Sportboothafen bekannt war.

In Straßburg endete für uns die beschauliche Fahrt auf dem Kanal, der hier ja auf den Rhein (km 310) trifft. Größtenteils hatten wir die nun vor uns liegende Strecke rheinab zum Heimathafen WI-Schierstein mit den zwei riesigen Rheinschleusen noch nicht befahren und so wurde für uns auch diese Fahrt auf dem Rhein bei meist schönem Wetter zu einem unvergesslichen Erlebnis. Nach einem kurzen Abstecher von Straßburg zunächst stromauf zum Yachtclub Kehl ging es dann in drei gemütlichen Etappen, mit Übernachtungsstationen in den Häfen von Karlsruhe und Worms heimwärts zurück zum Heimathafen Wiesbaden-Schierstein. Wir hatten ca. 810 km über Grund, 82 Schleusen, 2 Tunnels und einen Aufzug glücklich und ohne Schramme hinter uns gelassen.

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