Reisetagebuch Mai bis August 2000
Mit der ALMARINA von Mallorca bis in den Heimathafen Wiesbaden-Schierstein
Von Heidi Schlüter

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Am 25.Mai war´s endlich soweit, die Crew der Almarina (Heidi und Dieter Schlüter) brach mit schwerem Gepäck nach Mallorca auf. Eine große Filteranlage und diverse andere Ersatzteile ergaben etliche Kilo Übergewicht, was von LTU sehr kulant behandelt wurde.

Die kommenden Tage waren mit Arbeit aber auch Genießen ausgefüllt, Hallo bei alten und neuen Nachbarn, Einkäufe und Schwätzchen mit café sólo auf dem Markt. Als erstes reparierte Dieter die Toilette achtern, Muschelkalk hatte sich im Steigrohr festgesetzt, dann haben wir den Rost unter den Betten geklopft und mit Rostumwandler gestrichen. Während Dieter die neue Filteranlage einbaute, wusch ich alle Gardinen. Die Waschmaschine an Bord hat ihren Namen zu Recht: Goldkind.

Nach dem Ölwechsel am 30.Mai ein erster Hiob: Die Maschinen sprangen nicht an. Neue Batterien mussten her. Ignacio, unser Servicemann, kümmerte sich drum. Doch folgt dem ersten Hiob meist ein zweiter: Der Starter hatte seinen Geist aufgegeben und konnte auch nicht repariert werden. Da eine kleine Wartezeit angesagt war, bestellten wir noch eine Plane fürs Achterdeck - sollte doch die Almarina tiptop in den Heimathafen einlaufen. Arbeit gab es noch genug, das Beiboot wurde gestrichen, die Polsterbezüge gewaschen, ein neuer Tisch fürs Achterdeck gekauft.

Mo. 5.Juni dann Großeinkauf bei Corte Ingles, der am Abend an Bord gebracht wurde. Man hat zwar viele Kartons zu entsorgen, aber das Einkaufen ist sehr bequem und gar nicht stressig. Das Wetter war zu dieser Zeit nicht weltbewegend, zwar warm und manchmal kühl, aber für die Jahreszeit nicht besonders toll.

Die Plane wurde pünktlich geliefert, musste aber nachgearbeitet werden. Bis Freitag, 9.6. hofften wir startklar zu sein. Wir tankten die Almarina voll, vermieteten unseren Liegeplatz ab 15. Juni an die Firma “dahm-international” und verbrachten einen ersten Badetag in der Bucht von Illetas.

Die “calderete de pescado” - mallorquinische Fischsuppe - am Abend im Clubrestaurant war ein krönender Abschluss.

Für den Generator brauchten wir auch noch eine Batterie, die Reißverschlüsse der Plane stimmten nicht ganz, doch längere Diskussionen wären zu mühsam gewesen.Die nächsten Tage brachten Wind und Regen, kein schönes Reisewetter. Lag´s am Schaltjahr? Für Stadtspaziergänge aber ideal. Als Mallorca Erinnerung kauften wir den typischen mallorquinischen Stoff mit dem sog. Zungenmuster und ich nähte per Hand Kissenbezüge und Tischdecken fürs Achterdeck.

Am 14.Juni entschlossen wir uns zur Abreise. In der Bucht von Palma hatten wir schönes Reisewetter und etwas wehmütig schauten wir zurück: Vier Jahre hatten wir hier mit der Almarina gelegen, schöne Reisen rund Mallorca, Menorca, Ibiza, nach Sevilla, nach Barcelona und ins Ebrodelta gemacht. Die Entscheidung war näher gerückt: Der Schiffstausch Almarina nach Wiesbaden, Avanti im Herbst per Schiffsfracht nach Palma beschäftigte uns sehr und ganz sicher waren wir uns nicht.

Ab dem Cabo Las Salinas wurden Wind und Wellen etwas unangenehmer, unser Ziel Porto Colom war aber bald erreicht. Im großen Naturhafen ankerten wir, mussten uns allerdings noch einmal verlegen, da wir in einem Gebiet, das für Forschungszwecke abgesperrt war, gelandet waren. Wir hatten kleine rote Schwimmer gesehen, konnten sie aber nicht als Absperrung identifizieren.

Am 15.Juni machten wir uns um 5.00 Uhr auf die Reise. Einige Fischer waren schon zu ihrer Tagesarbeit aufgebrochen, etwas weiter hinter uns schien eine Jacht Schwierigkeiten beim Ankeraufgehen zu haben, irgendetwas blockierte den Anker. Kurz drauf ging´s uns genauso: Wohl Teile der Absperrungsleinen. Am Hafenausgang bekamen wir einen gehörigen Schrecken. Höchst eigenartige Geräusche, wie Krächzen und Pfeifen - ich glaubte, Dieter würde das Horn überprüfen, dann ging die Maschinendrehzahl zurück und uns schwante Böses. Im Jahr zuvor waren wir im Ebrodelta in ein Fischgebiet gekommen und hatten eine Markierungsboje in die Schraube bekommen und ziemliche Probleme gehabt uns davon zu befreien. Im Hafen von San Carles de Rapita mussten wir einen Taucher kommen lassen.

Wir beschlossen erst einmal langsam an der Küste zu fahren, eventuell könnten wir in Alcudia in den Hafen fahren.

Die Propeller liefen bald wieder rund, so dass wir Kurs auf Menorca nahmen. Die Fahrt war problemlos, das Meer nicht zu bewegt, Sonnenschein und leichter Wind streichelten die Seele. Mahon liegt am Ende eines großen Fjords, ein wunderschöner Naturhafen, den wir immer wieder gern besuchen. Die Stadt liegt oben auf den Klippen. Der Hafen wird auch von großen Kreuzfahrschiffen angelaufen, das sieht sehr abenteuerlich aus, wenn diese Riesendampfer ganz langsam bis zu ihrer Pier fahren.

Wir wollten in Mahon unser eventuelles neues Traumschiff bei den Astilleros de Menorca besichtigen und außerdem sollte Mahon auch der Absprung nach Sardinien sein.

Die Menorquin hatten wir uns auf der Messe in Düsseldorf angeschaut, sie ist das typische Balearen-Fischerboot und wird auch als Freizeitboot gebaut. Ein schnelles Boot, das auch auf dem Rhein einzusetzen wäre. Wir suchen ja immer noch einen Ersatz für unsere Almarina und ein Souvenir aus dem Mittelmeer erschien uns doch recht attraktiv. Leider, leider entsprach sie doch nicht unseren Wünschen. Es wird schwer sein, eine “kleine Almarina” zu finden.

Auf dem Rückweg von der Werft und einer Pizzapause drangen plötzlich bekannte Stimmen in unsere Ohren, ein Blick zur “Tonquelle” : Da saßen Freunde aus Palma, die wir schon in Sardinien wähnten. Renate und Dieter mit Freunden, beide Hallberg Rassy Segler, lagen seit über einer Woche im Hafen. Die Windverhältnisse waren in diesem Jahr so unkonstant, dass sie, die Atlantiküberquerungen gemacht haben, den Törn nach Sardinien abwarteten, und wie wir später erfuhren, auch gar nicht gemacht hatten.

Das Jahr 2000 war wettermäßig ein besonderes Jahr und nachdem wir lange gewartet und überlegt hatten, uns auch nicht der Sinn danach stand, in einem Buch der Helden vermerkt zu werden, entschlossen wir uns, nicht über Sardinien und Korsika, Côte d´Azur zu schippern, sondern zurück an die spanische Küste und “immer an der Wand lang” die Reise in den Heimathafen zu machen.

Am 17. Juni sind wir an der Nordküste bis Es Grau einer traumhaften Bucht und bezauberndem Ort gefahren, haben gebadet in glasklarem Wasser; Beim Schnorcheln sahen wir die Ursache unseres Schreckens bei der Ausfahrt aus Porto Colom: eine Schnur akkurat um den Propeller gerollt. Da bei der Windlage unangenehmer Schwell zu erwarten war, sind wir zum Übernachten in die Bucht von Addaia gefahren. Die Nordküste Menorcas hat viele tiefeinschneidende Buchten, die guten Schutz auch bei Nordwinden bieten. Trotz sommerlicher Zeit wehte kühler Wind und nur bei Windstille mochten wir baden. Am frühen Morgen fühlten wir uns wie im Paradies, aus dem Bett ins glasklare glatte Wasser!! -

Montag, 19.Juni reisten wir ab. Ciudadella wäre ein Ziel, aber auch Pollenca möglich. Wie ich schon eingangs schilderte, war das Wetter unvorhersehbar, täglich wechselnde Winde, keine ermutigende Vorhersagen für 24 Stunden. Querab Ciudadella entschlossen wir uns, nach Pollenca/Mallorca zu laufen. In der Bucht vor dem Hafen gingen wir vor Anker. Leben an Bord ist auch ein wenig autonomes Leben, für Einkäufe und Müllentsorgung müssen wir zwar an Land, was mit dem Beiboot einer kleinen Expedition gleicht, aber ansonsten sind wir autark und können das Leben auf dem Wasser mit Wasser um uns herum herrlich genießen.

Da wir uns nun entschlossen hatten, die Côte d´Azur über die spanische Küste anzulaufen, mag diese Entscheidung auch schon bedeutet haben, dass die Almarina wieder ihren Heimathafen anlaufen würde.Mit diesen Schiffs-Standortentscheidungen ist es nicht so einfach. Die optimale Lösung gibt es wohl nicht.Am 21. Juni starteten wir im Morgengrauen, um 7 Uhr passierten wir Cap Formentor mit Ziel Barcelona. Wir hatten Glück, glatte See, Sonnenschein und Besuch von unzähligen Meeresbewohnern. Meeresschildkröten kreuzten unseren Kurs, fliegende Fische glitzerten in der Sonne und unzählige Delphine begleiteten uns eine ganze Weile.

Gegen 16 Uhr liefen wir in Barcelona ein, bekamen einen sehr schönen Platz. Barcelona ist inzwischen ein wenig vertraute Heimat geworden, wir lieben die Stadt, genießen ihr Flair und Dieter kennt sich schon besser aus als in Wiesbaden. Museen, Spaziergänge über die Rambla, Kulturgenuss und “sich-gehen-lassen” so kann man das Leben genießen. Barceloneta, das alte Fischerdorf ist seit der Olympiade 1992 saniert und sehr attraktiv geworden, der alte Hafen gut ausgebaut und nah am Stadtviertelzentrum mit allen Einkaufsmöglichkeiten. Gemütliche Kneipen, ein schöner überdachter Markt und alle Geschäfte, die der Bootsfahrer braucht.

Wir schauen uns bei jedem Besuch etwas besonderes an, diesmal war´s an erster Stelle das Museum für Katalonische Kunst, sehr eindrucksvoll werden hier originale Kirchenteile, Fresken und sakrale Kunst gezeigt. So kann man eine kleine Reise durch die Kirchen Kataloniens machen, romanischen und gotischen Kirchenbau auf überschaubarem Raum studieren. Den Besuch im Wachsfigurenkabinett hätten wir uns sparen können und auch vom Picasso Museum waren wir diesmal enttäuscht. Das “Freilichtmuseum Barcelona” mit unzähligen architektonischen Meisterwerken Gaudis und Domènech i Muntaners bietet dem aufmerksamen Spaziergänger immer wieder interessante Aus- und Einblicke.

Am Abend wurden wir - ein wenig freiwillig - Opfer eines kleinen Betrügers. Ein netter junger Mann sprach uns verzweifelt an und erzählte uns seine Geschichte: Auf Montage für die Firma Otis in Gerona, hatte er seine Freundin in ihrem Auto zum Flughafen Barcelona gebracht und konnte wohl ihr Auto bis zu ihrer Rückkehr benutzen, doch leider war der Sprit ausgegangen, alle seine Papiere waren in Gerona verblieben und auch das Portemonnaie. Kein Sprit, kein Geld nur das Auto am Straßenrand, ein bisschen verbeult, aber er zeigte uns eine Versicherungskarte, die auf den Vater des Mädels --seines “evtl. zukünftigen Schwiegervaters“-- ausgestellt war, und seine Adresse in Berlin mit Telefonnummer gab er uns auch. Da mussten wir natürlich helfen und 5000 Peseten wechselten den Besitzer, für eine Tankfüllung würde das reichen. In Deutschland würde er sich bei uns melden. Viel später erfuhren wir, dass es wirklich Betrug war. Das Auto war geklaut, Berliner Adresse undTelefonnummer existierten nicht und der Schwiegervater war zwar ein Vater, aber ein erzürnter, der nun auch noch auf seine Tochter sauer war. Er nervte uns noch eine Zeitlang am Telefon in Deutschland. Ja, ja auch die eigenen Landsleute werden zum Betrug auserkoren! Ganz überrascht waren wir natürlich nicht, nach solcher Erfahrung mag man aber nicht mehr helfen.

Das Wetter blieb bedeckt, schwül, kühl, regnerisch und windig. Nach heftigem Regen in der Nacht sind wir am 25. Juni weitergefahren. Das Meer war zwar nicht ruppig, mein Magen reagierte allerdings und ich bekam mal wieder meine berühmte Seekrankheit: Durchfall und Spucken. Einmal passiert´s auf jeder Reise. Sobald wir im Hafen sind, bin ich wieder fit. So schmeckte dann auch die Seezunge im feinen Fischrestaurant in Blanes hervorragend. Es war ein kurzer Reisetag, sonntags soll man ja ruhen.

Am 26. Juni konnten wir ohne Schaukelei Estartit anlaufen. Hier ergänzten wir unseren Proviant, tankten und - weil´s mal wieder stürmte - blieben wir die nächsten beiden Tage im Hafen. Der Ort ist trotz Tourismus recht hübsch und man kann lange Strandspaziergänge in der Bucht machen. Solche Fußarbeit bekommt dem Körper bekanntlich gut.

Der Naturhafen von Cadaques war das Ziel am 29. Juni. Ein sehr malerischrer Ort, der seine Ursprünglichkeit erhalten konnte, zumindest wurde zur Landschaft passend gebaut. Zunächst hatten wir an einer Boje festgemacht uns später aber vor Anker gelegt. Eng ist es auch hier geworden, wir brauchten etwas Abstand.

Am nächsten Morgen sind wir nur “um die Ecke” nach Port LLegat, “ Dalis Naturhafen “, gefahren. Viele Jahre hatte sein Haus leergestanden, nach Galas Tod war er nicht wieder zurückgekehrt und bis die Besitzverhältnisse nach seinem Tod 1989 geklärt waren vergingen noch etliche Jahre. Seit 1996 ist sein Haus Museum und kann in kleinen Gruppen besichtigt werden. Alles ist so geblieben wie die Dalis gelebt haben. Je nach Bedarf wurden Räume angebaut, wichtig waren ihm Fenster, die den Rahmen für die Landschaft draußen bilden. Viele seiner Bilder sind hier entstanden und man erkennt häufig im Hintergrund den Naturhafen von Port Llegat. Das Haus ist Zeugnis seiner Exzentrik. Gemütlich hatten´s die Dalis. Lediglich zwei angefangene Bilder, die er noch während der Krankheit angefangen hatte, stehen in seinem Atelier, ansonsten zeugen Stühle und Stühlchen jedweder Art, Flaschen und Döschen von einer Sammelleidenschaft. Die unkonventionelle Bauweise vermittelt den Eindruck, in einem Labyrinth zu sein. Im Garten Wasserbecken, Brunnen und lauschige Ecken. Schön, dass das Haus besichtigt werden kann. Mal ein Museum der anderen Art.

Das Wasser hatte nur erfrischende 22° doch hier mussten wir noch mal richtig schwimmen, es könnte das letzte Mal sein. Die nächsten Etappen endeten alle in Häfen.

Der nächste Hafen war Port Leucate in Frankreich, wo wir vom 1.7. bis 5.7. blieben. Hier waren wir schon des öfteren, gute Einkaufsmöglichkeiten für Leib und Seele und natürlich auch fürs Schiff.

Die Küste ist eine “Windküste” mit endlosen Sandstränden und hinter dem Küstenstreifen sog. étangs - Seen, die ein Surferparadies sind und auch dem Gourmet leckere Austern bieten. Der Tramontane blies wieder kräftig, ein Vorgeschmack auf den Mistral im Rhônedelta. Der Wetterbericht war nicht sehr ermutigend, am 5.7. nutzten wir ein “Windloch” und erreichten La Grande Motte, futuristischer Hafen im Delta, schon von weitem beeindrucken die pyramidenartig gebauten Häuser in der flachen Deltalandschaft. Dahinter erstreckt sich die Camargue. Im ganzen Deltagebiet entstanden große Marinas, die jedweden Komfort für Schiff und Mensch bieten, Port Camargue kannten wir schon, die beiden anderen werden wir uns bei einer nächsten Reise anschauen.

In La Grande Motte kam uns sogar die Idee, ein Auto zu mieten und unsere Freunde an der Côte d´Azur schiffslos zu besuchen. Doch wäre die nächste Autovermietung am Flughafen von Montpellier gewesen, nicht sehr praktisch. So ging´s am nächsten Morgen nach ruhiger Nacht weiter.

Anfänglich quälte uns eine schreckliche Dünung und Gedanken an Umkehr schwirrten durchs Hirn. Doch dann wurde es besser und wir nahmen zunächst Kurs auf Port St. Louis, den Eingangshafen in die Rhône. Da es gut lief, sind wir noch bis Marseille gefahren. Von dort könnten wir auf eigenem Kiel bis nach Le Lavandou, wo uns die Freunde abholen könnten. Marseille kannten wir noch nicht und einmal da, wollten wir auch gern ein paar Tage bleiben und uns die Stadt anschauen.

Einen Platz im Vieux Port mitten in der Stadt zu bekommen war nicht so leicht und wir mussten lernen, dass ein Schmiergeld solche kleinen Wunder bewirken kann:

Schon bei der Ansteuerung der “capitainerie” winkte man zunächst ab, doch da ich weiter auf Französisch unser Anliegen höchst charmant vortrug, durften wir uns zunächst direkt vors Rathaus legen, der Hafenmeister würde kommen. Im schnellen Schlauchboot kam dann auch bald ein junger Mann und meinte ganz offen, wenn wir bis zum 10. Juli bleiben wollten, müsste schon eine Kleinigkeit für die capitainerie herausspringen - einer schönen Frau - das hat natürlich der Frau des Skippers gutgetan - könne er so leicht nichts abschlagen. Was ist nun eine Kleinigkeit? Wir entschieden uns für 200 Ffs, die Dieter sichtbar in unsere Schiffspapiere legte. Fröhlich düste er -ohne Dankeschön- zurück zum Büro, versprach die Papiere schnell zurückzubringen, die Liegeplatzgebühren dann gleich zu kassieren. Für das großzügige Bakschisch bei der Begleichung der offiziellen Rechnung, hat er sich sehr lieb bedankt, über die andere Transaktion war der Schleier der Diskretion gefallen. Unser Liegeplatz war zwar super, aber der Öffentlichkeit zugänglich, so dass viele Menschen unser schönes Schiff bewunderten. Könnten wir zwei Tage fortsein, ohne dass etwas passiert? Marseille ist immerhin eine große Stadt mit viel Kriminalität und auch Rassenproblemen. Sehr viele farbige Menschen bestimmen das Stadtbild. Für uns “multikulturell”, für die französische “Urbevölkerung” sicher manchmal problematisch.

Wir wollten uns wohlfühlen und taten´s auch. In einem kleinen Fischrestaurant direkt am Hafen ließen wir uns die berühmte Marseiller Bouillabaisse munden. Wir hatten ein gutes Restaurant erwischt und würden bestimmt wiederkommen.

Am 7. Juli haben wir Reisemöglichkeiten nach Aiguebelle erkundet und eine Stadtrundfahrt mit dem “Histobus” gemacht. Wir machen meist erst eine geführte Stadtbesichtigung und schauen uns danach noch einmal auf eigene Faust um. In der Krypta von Notre Dame de la Garde hoch oben auf dem Berg entdeckten wir einen kleinen wunderschönen Heiligen Antonius - unseren Heiligen Expeditus - und zündeten Kerzen für die Freunde, Verwandten und uns an. Der Ausblick bei strahlendem Sonnenschein auf den Hafen und das Meer über die Inseln von Friaul und zum Château d´If war wunderschön. Die Mistralwetterlage beunruhigte uns allerdings.

Wir hatten uns entschlossen, mit dem Zug bis Toulon und von dort mit dem Bus nach Le Lavandeau am Samstag zu fahren und bei den Links zu übernachten. Sie haben seit ein paar Jahren ein sehr schönes Anwesen im kleinen Ort Aiguebelle, Hanglage, Meeresblick mediterraner Garten mit Säulenterrasse - einfach toll. Wir hätten uns sehr wohl gefühlt, hätte da nicht ein schlimmer Mistral uns Unruhe beschert. Das Meer war weiß, die Gläser wurden vom Tisch gefegt. Was würde in Marseille los sein? Würden die Leinen halten? Würden ankommende Schiffe auch keinen Schaden anrichten? Nein, man lässt sein Schiff nicht im fremden Hafen allein!

Walter und Brita fuhren uns am nächsten Morgen nach einer sehr unruhigen Nacht,--- der Mistral pfiff ein niemals zuvor gehörtes Konzert--- im Auto zurück und erleichtert fanden wir alles in Ordnung. Leicht gerammt wurden wir zwar am Nachmittag ohne größeren Schaden. Für Montag, 10.Juli wurde eine kurze Beruhigung vorhergesagt. Nach Port St. Louis könnten wir es schaffen. Mistral auf der Rhône ist zwar auch nicht schön, aber die Windwellen auf dem Fluss sind nicht so bedrohlich.

In der Mittagszeit kamen wir wohlbehalten in Port St. Louis an. Unsere Mittelmeerzeit hatte nun definitiv hier ihr Ende. Jetzt ging es nur noch heimwärts. Am Gästesteg machten wir fest, viele Boote liegen immer in Port St. Louis: Mast stellen für das Abenteuer Mittelmeer oder auch viel weiter, Mast legen für die Heimreise in nördliche Gefilde. Segler tun das hier, die Aufbauten der Almarina müssen wir erst bei der Einfahrt in den Rhein-Rhône-Kanal abbauen.

Direkt am Hafen bietet ein großer Supermarkt - Intermarché les Mousquetaires - alles, was die Bordfrau so braucht, bequem im Einkaufswagen des Marktes an Bord zu schaffen. Steak haché und ein Salat, begleitet von Rotwein und Käse zum Dessert verwöhnten unsere Mägen, un petit café noir et un digestif sorgten für die Siesta-Schwere. Doch wir wurden gestört, der Hafenmeister bat uns, möglichst schnell das Schiff zu verlegen an die steinerne Pier, Mistral mit Windstärke 11 war angesagt, die Almarina würde die Steganlage gefährden. Eine kleine Verdauungsübung für ein eingespieltes, sturmerprobtes Team.

Wir hatten geglaubt, hier die Vignette für die Reise durch die Kanäle kaufen zu können und versuchten dies auch an der Schleuse, “Les Voies Navigables de France” hatten aber ihr Domizil nach Arles verlegt, und ihr ehemaliges Haus der Natur überlassen, inzwischen dornröschenhaft überwuchert.

Der Mistral blies weiter, nicht so schlimm wie erwartet, doch immer noch recht kräftig.

Die Brücke vor der Schleuse öffnete pünktlich um 9.15 Uhr, mein erster “Schleusenleinen-Wurf” nach über vier Jahren war schlecht, das Treffen von Pollern musste ich erst noch üben. Doch wenn der Skipper die Ruhe bewahrt, sind Fehlwürfe keine Katastrophe, Dieter fuhr in aller Ruhe sogar zweimal neu an und tröstete mich. Nun, ich würde mir weiterhin viel Mühe geben. Tat ich auch: 139 Schleusen lagen ja noch vor uns. Mistralwindwellen mit kleinen Schaumkronen begrüßten uns auf dem Fluss, leichtes Spiel für Boot und Besatzung. Gegen 13 Uhr erreichten wir Arles, konnten an einer anderen Jacht anlegen.

Unser erster Gang war zu VNF, eine Vignette kaufen und der kleine Schreck wurde gleich mitgeliefert, die Schleuse Niffer sei gesperrt. Arles und Niffer sind Welten auseinander, wer würde nun wirklich Auskunft geben können? 1987 mussten wir den Umweg über den Canal de l´Est machen, doch bitte dieses Mal hoffentlich nicht. Einige Telefonate beruhigten uns, nur die kleine Schleuse würde repariert werden. Später kurz vorm Kanal hätten wir dann die endgültige Gewissheit. Wohlwissend, dass es im Bootsfahrerleben viel Unvorhergesehenes geben kann, möchte man doch ein wenig steuern können. Der Bummel durch das abendliche Arles und ein sehr gutes Essen in einem netten Lokal beruhigten die Nerven.

Am 12. Juli fanden wir einen schönen Liegeplatz an der Stadtpier von Avignon. Es war eiskalt und ein Pullover-Kauf für Dieter dringend notwendig. Der blaue Himmel, die strahlende Sonne täuschten, der Mistral ließ uns vor Kälte zittern. Alljährlich findet im Juli das Festival du Theâtre in Avignon statt und das bunte Treiben auf den Straßen hat seinen besonderen Charme.

Unsere Reise war auch ein wenig Erinnerungsreise: 1987 Rückreise nach 3 1/2 Jahren wunderschöner Mittelmeerreisen mit der Almarina und 1996 erneute Reise zum Mittelmeer über die Kanäle nach Mallorca. Und nun wird´s “alte Mädchen” wieder nach Hause gebracht, sie bringt uns, wir bringen sie.

Am 13. ging´s weiter. Da am 14. Juli nicht geschleust wurde, in allen Örtchen und Orten bereits Vorbereitungen fürs große Nationalfest getroffen wurden, suchten wir einen Platz in der “ersten Reihe” und glaubten ihn in Vivier sur Rhône gefunden zu haben. Schnell wurde uns signalisiert, dass alle Plätze für Ausflugschiffe und Flusskreuzfahrtsdampfer bereits reserviert seien. Ein wenig weiter flussaufwärts fanden wir etwas außerhalb von Cruas (der Ort mit Atomkraftwerk, dessen Kühltürme so hübsch bemalt sind) den idealen Anleger: Eine schräg abfallende Wand mit einer Landgangmöglichkeit.

Gemütlicher Abend an Bord, eine ruhige Nacht .. allons enfants de la patrie... ein Ruhetag in der “Pampa” -- wir haben Zeit.

Am Morgen des 14. Juli um 8 Uhr wurden wir sehr unsanft durch lautes Tuten aus Morpheus Armen gerissen. Ein Blick aus dem Bulleye ließ uns erstarren: Ein riesiger Flussdampfer wollte auf unseren Platz. Schleusenruhe- wie kam der denn überhaupt hierher? Wir erfuhren, dass Berufsschifffahrt und damit auch Kreuzfahrer sogar am heiligsten aller französischer Feiertage geschleust werden. Die Mannschaft sprach deutsch, wir sollten uns möglichst nach vorn verlegen, was bedeutet hätte, dass wir nicht mehr an Land gekonnt hätten. Also, großes Schiff vor uns und wir am Generatorauspuff einen Tag im Abgasdunst, das hatten wir natürlich so früh am Morgen nicht bedacht.

Kleine Wanderung zur “village médiéval”, vom großen Festfeuerwerk waren wir weitab. Die Auspuffdüfte nervten, aber auch daran gewöhnt sich der Körper. Am Morgen war der große schon abgefahren gen Süden und auch wir machten uns auf den Weg. Die Rhônelandschaft ist recht abwechslungsreich, die Schleusen bequem, wenig Betrieb und man wird auch als Sportbootfahrer sofort geschleust. Bis zu 22 Meter Hubhöhe, an Schwimmpollern kein Problem. Auf der Rhône ist das Fahren noch recht unproblematisch, kleine Unaufmerksamkeiten nicht zu gefährlich, da wenig Verkehr ist, kann man noch schnell korrigieren.

Ich bereitete den leckersten aller “Gratins Dauphinois” zu, köstlicher Knofelduft zog durchs Schiff und das Ergebnis schmeckte uns hervorragend.

Unterwegs bekamen wir die Nachricht, dass Dieters Mutter gestorben war, auch wenn sie ein hohes Alter hatte, ist es doch irgendwie ein Einschnitt ins eigene Leben. Wir wollten sehen, ob Dieter zur Beerdigung fahren könnte, sollten wir einen sicheren Hafen finden, würde er versuchen nach Münster zu kommen.

In Les Roches de Condrieu, einer sicheren Marina mit netten Leuten, fanden wir einen guten Platz. Hier konnte ich auch ein paar Tage allein an Bord bleiben. Bis zum Abflugtag blieben uns drei Tage, die wir mit Arbeiten am Schiff ausfüllten: Mast legen für die Kanalfahrt, noch ein paar Arbeiten für die Schönheit der Almarina, aber auch beide Condrieus rechts und links der Rhône erkundeten wir. Beim Coiffeur des Ortes bekam Dieter einen echt tollen Haarschnitt, trotz sehr angeregter Unterhaltung mit mir, wovon Dieter leider nichts verstehen konnte, gelang ein Superschnitt.

Die Flugtickets konnte Dieter per Internet bestellen und buchen. Laptop und Mobiltelefon machen das möglich. Lyon-München-Münster und zurück Münster-Frankfurt-Lyon. Im Ort organisierten wir die Taxifahrt nach Lyon zum Flughafen. Der Taxifahrer würde Dieter auch am nächsten Abend wieder abholen.

Ein bisschen komisch war´s schon so allein an Bord, aber ich fühlte mich sicher und bevor ich mich an diesen Zustand gewöhnen konnte, waren wir wieder zusammen. Ich nutzte die Zeit zu Provianteinkäufen für die Weiterreise, habe Wäsche gewaschen und auch auf dem Achterdeck lesend gefaulenzt.

Am 21.Juli sind wir bis Lyon gefahren, fanden einen schönen Liegeplatz an der Stadtpier unter Trauerweiden. Der Tag war sonnig und nicht mehr so kühl. Geschwitzt haben wir selten. Am nächsten Tag legten wir in Mâcon an, die Pier war in den vergangenen vier Jahren noch maroder geworden. Ein Stück weiter Saôneaufwärts gibt es einen “halte fluviale” der VNF, die Stadt scheint an ihrer Stadt/Kaimauer keinen Wert auf Besucher zu legen, große Berufsschiffe machen fest.

Nach einer Kurzreise am Sonntag haben wir im mittelalterlichen Tournus am “halte fluviale” festgemacht, wir sind an sich für diese Steganlagen mit der Almarina zu groß, doch relativ früh am Morgen waren die ersten aufgebrochen, so dass es Platz für uns gab. Stadtbummel mit Besichtigung der Abteikirche und Besuch einer interessanten Ausstellung sakraler Kunst von A. Oblensky. Ein wunderbares Essen im kleinen Lokal Charles VII beendete unseren kurzen Reisetag.

Regen- und Gewitternacht verkühlten den nächsten Reisetag, der in Verdun-sur-le-Doubs endete. Viel hatte sich in den vergangenen vier Jahren nicht verändert. Unsere “alte” Pier ohne Strom und Wasseranschluss war nur etwas teurer geworden. Hier gibt es eine Charterbasis, ein hübsches Verwaltungsgebäude mit Toiletten und Duschen, Waschmaschine, nette Restaurants und gute Einkaufsmöglichkeiten.

Dienstag, 25.7. kamen wir in der Mittagszeit in St. Jean de Losne an. Der sog. Wasserbahnhof schien voll belegt, in der capitainerie wurde uns ein Platz zugewiesen. Von hier geht der Canal de Bourgogne ab, Saôneaufwärts beginnt sehr bald der Rhein-Rhône-Kanal und weiter nördlich der Canal de l´Est.

An der Schleuse zum Canal de Bourgogne gab´s ein Restaurant. Der Wirt bedauerte sehr, dass es kein Essen mehr gab, unsere Ratlosigkeit und hungrigen Gesichter dauerten ihn wohl, denn er verschwand in der Küche. Kurz drauf bat er uns, Platz zu nehmen, brachte Wein und Brot, Besteck und Servietten. Als Auftakt kam eine üppige Platte mit Schinken und mehreren Wurstsorten, Cornichons und Perlzwiebelchen, schon das allein war köstlich. Madame kam und fragte, wie wir die Steaks gern gebraten hätten, dazu servierte sie Nudeln, immer wieder bedauernd, dass sie uns kein richtiges Essen mehr servieren könnte. Wir schwelgten und fanden dieses für französische Verhältnisse kärgliche Mahl richtig gut. Die folgende Käseplatte hatte mindestens sechs verschiedene Sorten und auch der Obstkorb war prall gefüllt. Café und digestif rundeten das Mittagsmahl ab. Für ca DM 40,- waren wir satt, zufrieden und hatten französische Gastfreundschaft gefunden. Wenn wir wieder kämen, sollten wir vorher anrufen, dann würde Madame uns richtig verwöhnen, richtig kochen!

Nach dem Mittagsschläfchen bekam die Almarina neue Namensbuchstaben ans Heck, den Abend verbrachten wir an Bord. Ein entscheidender Teil unserer Reise, der Rhein-Rhône-Kanal, die Verbindung zum Rhein - stand bevor, viele Schleusen waren zu bewältigen, präzises Fahren und ständige Aufmerksamkeit waren nun gefordert.

Neun Schleusen, zum Teil automatische, dann hatten wir Dôle erreicht. “Unser” alter Liegeplatz war frei. Es gibt eine Marina, aber mit Steganlagen für kleinere Boote. Der Spaziergang über die Brücke in die Stadt ist vor und nach dem Essen gut für die Kondition.

Stadtbummel mit kleiner “Pastis-Pause” in der Abendsonne, Blumenkauf für die Almarina. Ein edles Fleißiges Lieschen zierte ab Dôle die Bugspitze und erfreute uns mit seiner frischen Farbe. Wir pflegten das Pflänzchen so gut, dass wir sogar noch in Wiesbaden viel Freude dran hatten.

Neu waren für uns die Schleusenzeiten. 8:30 -12 Uhr und 13 Uhr bis 19:30, vorher und nachher keine Chance. Am Morgen des 27. 7. machten wir uns rechtzeitig auf den Weg, das gleiche taten auch andere Boote und da wir sahen, dass wir zu groß waren, machten wir langsam. Plötzlich gingen die Schleusentore wieder auf und die junge Frau winkte uns herein, uns schien es riskant und als wir drin waren, wurde es auch brenzlich. Die Australier Diana und Arthur hatten dem Schleusenmädchen signalisiert uns noch mitzunehmen. Es ging halbwegs gut, war aber eine sehr unangenehme Schleusung.

Die Mittagspausen werden ebenfalls strikt eingehalten und des öfteren speisten wir in einer Schleuse. Für die Übernachtung fanden wir einen schönen Platz an einer Ausbuchtung, zum Doubs war es nur ein Katzensprung. Der Kanal mündet immer wieder in den Fluss, oft steht dort eine starke Strömung, totale Aufmerksamkeit ist gefordert.

Die Australier machten auch fest, es wurde ein fröhlicher Rotweinabend mit vielen Bootsgeschichten. Viel später im September trafen wir die beiden auf dem Rhein wieder.

Weiter ging´s bis nach Besancon, viele Schleusen, meist automatischbetriebene und viele Erinnerungen. Automatische Schleusen sind -besonders- wenn man allein ist, sehr angenehm. Per Fernbedienung signalisiert man die Ankunft, die Schleuse wird vorbereitet, in der Schleuse wird eine Stange angehoben, die Tore schließen, Wasser wird eingefüllt oder abgelassen. Auch am 28. Juli mussten wir nicht schwitzen, schwere Unwetter prasselten hernieder und auch die nächsten Tage wurden wir nicht verwöhnt.

Die 7/8 Hosenmode war ganz und gar nicht passend in diesem Bootssommer. Meine einzigen langen Jeans hatten schon modische Risse und ein Neukauf musste eingeplant werden. Besancon hatten wir auf unserer Reise ins Mittelmeer intensiv erkundet, diesmal bummelten wir nur durch die Stadt, ließen uns treiben und fanden ein nettes Restaurant in der Nähe unseres Liegeplatzes.

Fürs Formel 1 Wochenende suchten wir einen guten Liegeplatz, ein schwieriges Unterfangen. Nach einem sehr langen Reisetag konnten wir vor einer Schleuse an Dalben zwischen zwei langen Leinen pausieren: Regen, Nebel, Ungemütlichkeit! Aber im Schiff war´s warm und kuschelig. Auf dem Doubs war kein Betrieb, ein Sportboot fuhr an uns vorbei, sie schleusten noch im strömenden Regen. In Isle-sur-le Doubs trafen wir sie und sind dann zusammen bis Mühlhausen gefahren.

Nach dem Rennen haben wir unsere Knochen ein wenig bewegt, eine kleine Häuseransammlung, auf der anderen Doubs-Seite ein Restaurant, leider geschlossen- aber etwas weiter ein Straßenimbiss. Da konnte die Almarinaküche kalt bleiben, selbst an so einfachen Snack-Stationen schmeckt´s in Frankreich annehmbar.

Dichter Nebel umgab uns am nächsten Morgen (31. 7.) Der Skipper wollte los, doch nach zwei Schleusen siegte die Vernunft. Der Nebel lichtete sich, die Sonne kam heraus - da machte das Fahren wieder Spaß.In Isle-sur-le Doubs konnten wir direkt gegenüber vom Supermarché festmachen, klar dass Einkaufen auf dem Programm stand und natürlich auch ein Bummel durch den Ort.

Wir hatten am Abend gefragt, ob wir schon um 8 Uhr geschleust werden könnten, was bis zum nächsten Morgen in Vergessenheit geraten war, und so dümpelten wir eine halbe Stunde lang vor der Schleuse, mit uns die Linssenjacht der Holländer aus Venlo.

Regi undTom bereisen jedes Jahr die Binnenreviere, kommen auch bis zum Mittelmeer - aber nur bis. Das Meer gefällt Regi nicht.Tom fährt das Boot, Regi strickt, häkelt den ganzen Tag, nur hin und wieder hilft sie beim Schleusen. Die Handarbeiten sind für einen guten Zweck, unterwegs verkauft sie ihre Werke und der Erlös wird für ihre Arbeit bei der Wohlfahrt verwendet. Auch ich kaufte einiges: Entzückende Kleidchentopflappen!!, ein gehäkeltes Entchen in dessen Bauch eine Seife schlummerte und einen “swarten Piet” den Begleiter des holländischen Santa Klaas. Tom meinte, wenn seine Frau handarbeitete, hätte er seine Ruhe. Wir schafften es an diesem 1.August bis Monbéliard, waren immer zu zweit, so dass wir recht zügig vorankamen. Nach einem Bierplausch an Bord der Linssenjacht, bummelten wir noch durch den Ort.

Am nächsten Tag konnten wir erst um 9:45 Uhr geschleust werden, eine Péniche mit Holz beladen hatte Vorrang und die Schleusenfrau musste auf ihrem schnellen Moped noch zur anderen Schleuse düsen, sie erlaubte uns leider nicht, die Arbeit selbst zu machen. In Dannemarie waren wir schon angekündigt, Plätze für uns reserviert. In all diesen Marinas ist unsere Almarina viel zu groß, aber wir wurden trotzdem freundlich aufgenommen. Es regnete mal wieder in Strömen und mit Schirmen bewaffnet, machten wir uns auf in den Ort und fanden ein sehr gutes Restaurant. Auf dem Achterdeck, gut geschützt vorm Dauerregen, tauschten wir noch lange Boots- und andere Erfahrungen aus.

Ab Dannemarie kam wieder eine Schleusenmannschaft, bis Mühlhausen sind sie dabei, die “Schleusentreppe” wird von VNF (Voies Navigables de France) “persönlich” betreut. Für Regi und Tom gab´s Probleme bei einigen Brücken, die angegebenen 3,65 Meter Durchfahrtshöhe stimmten bei Hochwasser natürlich nicht, da musste Tom zweimal seine Aufbauten total abbauen. Wir hatten uns schon beim ersten Mal gewundert, dass er alles wieder aufbaute, anstelle bis Mulhouse ganz niedrig weiterzufahren. Wenn man sich vorher anmeldet, ist VNF auch bereit, Wasser abzulassen, aber ad hoc ist dies natürlich nicht möglich.

In Mulhouse konnten wir wieder am alten Platz, der Steinpier festmachen, der Hafenmeister erinnerte sich an uns bzw. an unsere Almarina. Segler, die wir auf der Rhône kennengelernt hatten, trafen wir wieder. Sie konnten uns mit Informationen über den Oberrhein aushelfen, unsere Rheinhandbücher schlummerten in Wiesbaden, nicht so schlimm, aber mit ein paar Infos über Schleusen und Kilometerzahlen fühlten wir uns sicherer.

Im elsässischen Restaurant “Les Flammes” haben wir alle drei Arten Flammkuchen, den einfachen, den gratinierten und den mit Äpfeln verspeist. Flammkuchen ist “elsässische Pizza”, hauchdünner Teig mit Zwiebeln, Schinken, Crème Fraîche im Steinofen gebacken, serviert auf einem Holzbrett. Isst man alle drei, langt jeweils einer für zwei. Der mit Äpfeln und Calvados ist die Nachspeise. Köstlich!!!

Freitag, 4.8. sollten wir um 10 Uhr an der Schleuse sein. Pech: das Schleusentor klemmte, irgendetwas hatte sich drin verhakt. Der junge Mann rief seine Zentrale an: Wir müssten warten. Letztendlich hat er dann doch selbständig gehandelt. Das Schleusentor ging zwar nicht vollständig zu, aber wir passierten ohne Probleme. Die kleine Schleuse Niffer war geschlossen, (Info in Arles stimmte), über Kanal 22 erreichten wir die große. Wir sollten uns beeilen, dann könnten wir noch mit einem Berufsschiff geschleust werden.

Ein Tag mit Sonnenschein und schönen Wolken endete in der letzen Marina Frankreichs: Vogelgrun.Vier Jahre zuvor hatten wir hier unsere Almarina kanalklar gemacht, hier konnten wir nun wieder den Mast und die Satellitenantenne stellen, die Almarina wieder “rheinfein” machen. Putzaktionen waren für den Stop im Petersee geplant. Der nächste Tag begrüßte uns mal wieder mit unfreundlicher Kälte, Bis Kehl verlief die Reise zügig, die Rheinschleusen sind groß und wir konnten jedes Mal mit hinein. Im Kehler Jachthafen fanden wir Platz, ein gutes Essen im Clubrestaurant beendete diesen Reisetag.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Strasbourg, wie immer um diese Jahreszeit oder wohl das ganze Jahr über war viel touristischer Betrieb, aber das gehört hier dazu. Am Abend kam Ria nach Kehl und wir verbrachten einen schönen Abend miteinander.

Der Heimathafen rückte näher, unseren Ankunft hatten wir für den 11. August 17 Uhr geplant und telefonisch organisiert. Am 7.8. fuhr Ria gegen 10 Uhr weg und ich machte einen Bummel durch Kehl. Die zerschlissene Jeans musste nun endlich ersetzt werden. Ich wurde auch fündig und hätte mich beinahe blamiert: Die, die mir passte, schien mir an den Knien etwas zerknittert und ich wollte schon sagen, dass ich das ja rausbügeln könnte. Hab´ich aber nicht und Dieter sah dann auch sofort, dass dies ein modischer Schnickschnack ist. Ja, so ganz up to date in der Mode ist man ja doch nicht mehr.

Im Petersee konnten wir bei 20° Wasser- und 22° Lufttemperatur schwimmen und kleine Putzarbeiten , z.B. Fenderputz, machen. Am Abend prasselten Gewitterregen aufs Deck und und dichter Nebel begrüßte uns am Morgen. Wunderschöne Spinnennetze glitzerten an der Reling und nachdem sich der Nebel aufgelöst hatte, fuhren wir bis zum Eicher See.

Die Hochwassermarke eins war fast erreicht und der Gedanke, wegen Hochwassers nicht in den Heimathafen einlaufen zu können, gefiel uns gar nicht.

Bis 11.8. mittags sind wir im Eicher See geblieben, sind geschwommen , spazierengegangen und haben gefaulenzt. Nach dem Mittagessen ging´s in Bummelfahrt zum Heimathafen. Punkt 17 Uhr sollte die Almarina einlaufen, mit Stoppuhr war der Skipper ausgerüstet, am Biebricher Schloss verweilten wir ein wenig und dann..... Punkt 17 Uhr waren wir an der Einfahrt, doch erst 17:04 im Hafen ---- ein kleiner Berechnungsfehler---. Am Gästesteg wurden wir von den Clubfreunden mit Girlanden und Sekt empfangen. Bei Weck, Worscht, Wein und Gesang und vielen Gesprächen fühlten wir uns wieder daheim.

Ins Haus sind wir erst am Sonntag gezogen, der Wiesbadener Alltag hatte uns wieder!!

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