Dieselpest  im Kraftstofftank, was tun?

Bereits im vergangenen Jahr hatte uns zwei Mal unsere über  dreißig Jahre alte Einbaumaschine vom Typ Volvo Penta MD 7B in Schwierigkeiten gebracht, weil sie nicht anspringen wollte. Zuvor hatte uns dieser Motor jahrzehntelang ohne eine einzige Reparatur treu gedient.

Nach Reinigung der Filter und Entlüften konnten wir den Motor wieder zum Laufen bringen, aber wir waren fest entschlossen, der Ursache für die Verunreinigung  auf den Grund zu gehen.  Nach intensiven Recherchen im Internet kamen wir zu dem Schluß: uns hat die Dieselpest erwischt!
Die sog. Dieselpest entsteht, wenn das  unvermeidliche Wasser im Tank ( Schwitzwasser, Verunreingung beim Tanken) mit Beimischung von Biodiesel zu Bakterienwachstum führt. Es kann sich ein ausgeprägter Bakterienrasen bilden.

Bereits auf der Hanseboot hatte ich mich bei einschlägigen Ausstellern erkundigt. Es wurden Horrormärchen wegen extrem kostspieliger Reparaturen aufgetischt. Beim Stand von Volvo wollte man mir sofort eine neue Maschine verkaufen ( ca. 12.000€!) und gab mir gleich eine Händlerliste mit. Andere erkannten mein Problem und wollten den Tank aufschneiden, etc.  Hilmar Willers gab mir noch auf der Messe interessantes Info-Material über "Grotamar" von Schülke und Meyr.

Jürgen Brügel hatte bereits seine  Kraftstoffanlage inkl. Tanks intensiv von der  Pest gereinigt und konnte uns wertvolle Tips geben,  so daß wir beschlossen, die Bekämpfung des Übels in Eigenarbeit  vorzunehmen.

Glücklicherweise besitzt unser Tank ein, wenn auch schlecht erreichbares, Mannloch.
Nach Entfernen sämtlicher Schläuche wurde der Deckel abgeschraubt. Beim Abheben bemerkten wir üblen Geruch und sahen, daß der Geber der Füllstandsanzeige total mit gelbem Schleim überwuchert war. 
Mit einem Glas entnahmen wir eine Flüssigkeit, die nicht mehr nach Diesel roch, sondern nach Firnis. Sie sah aus wie naturtrüber Apfelsaft.
Wir beschlossen, den Tank auszupumpen  und besorgten uns eine Bohrmaschinenpumpe
(zu empfehlen ist die Pumpe von Gardena, damit haben wir sogar unser Wasserbett entleert!) und Kanister, alles transparent, denn wir wollten wissen, was wir abpumpten.
Zu unserem Erschrecken waren die ersten 15 Liter pechschwarz. Nach Aufrühren und Bearbeiten mit einer Klobürste konnten wir ca. 42 Liter abpumpen. Die Farbe der Flüssigkeit wechselte von pechschwarz zu dreckiggelb.
Nach gründlicher Ausleuchtung zur Inspektion desTankinneren waren wir sicher, daß der gesamte Dreck entfernt war.
Die Kanister mit dem verunreinigten Treibstoff konnten nur bei der Deponie als Sondermüll entsorgt werden, dafür aber kostenlos.

Alle Schläuche wurden ersetzt, ein Kraftstoffvorfilter mit Wasserabscheider  montiert und wir begannen mit dem Entlüften, was sich trotz guter Ratschläge von H.J. Reitner als sehr schwierig erwies. Ein  befreundeter Motorenmechaniker im Ruhestand half uns schließlich, sodaß die Maschine wieder seinen Dienst versieht.

Fazit:  Der Schrauberlehrgang vom letzten Jahr bei Volvo Penta in Kiel war sehr hilfreich, trotzdem taten wir uns beim Entlüften sehr schwer, weil wir lange nach der versteckt liegenden Entlüftungsschraube an der Einspritzpumpe suchen mussten. Probleme bereitete uns auch die schlechte Erreichbarkeit der Aggregate in einem Segelboot. Man ist halt nicht mehr so gelenkig. Renate  riecht  immer noch ein wenig nach Diesel  ( ich wahrscheinlich auch). Aber wir haben es in Eigenhilfe geschafft!

Wir empfehlen jedem Dieselfahrer, mal in seinen Tank zu sehen und beim Tanken einen Zusatz hinzuzugeben. Genaueres ist im Internet in diversen Artikeln nachzulesen.

Weiterhin lernt man bei dem oben erwähnten Motorenkunde-Lehrgang in Kiel eine Menge über seinen Motor. Veranstalter ist die Kreuzer Abteilung des  DSV.  Unser Freund  Christian Pieper hatte  ihn gerade absolviert.

Extrem schlecht sind Ersatzteillieferanten, die teure  falsche Teile liefern und Boots-Zubehörhändler, die Schlauchquerschnitte nicht kennen.

Hilfreich sind gute Freunde mit noch besseren Tipps, aber am wichtigsten ist eine Bootsfrau, die sich auch vor solchen Einsätzen nicht fürchtet!
Die Crew des "Goldzahn".


Autor Dr. Günter Maneck